Schreib flink mit Schreib-Fink

Meine letzte Klasse war nicht sehr schreibbegeistert. Für mich eine mittelgroße Katastrophe, ist das Schreiben doch nicht nur Kulturgut, sondern in hohem Maße Ausdrucksmöglichkeit der eigenen Befindlich- und Persönlichkeit. (Natürlich ist nicht jedes in höchstem Herzeleid geschriebene Tagebuch wert, post mortem veröffentlicht zu werden, aber allein die Tatsache, dass man sich den großen Seelenschmerz ungefiltert von der Seele schreiben konnte, hat dem ein oder anderen doch recht gut über die Pubertät geholfen. Oder?) Aber zurück ins aktuelle Klassenzimmer: Die Zweitklässler LIEBEN schreiben. Sie schreiben und schreiben, als hätten sie nie etwas anderes getan. Ist das nicht großartig?

SchreibfinkJetzt würde ich natürlich gerne sagen, dass dies wahrscheinlich an meinem motivierenden Deutschunterricht liegt, aber tatsächlich hielten mir die Kinder schon in der ersten Schulwoche ihre Schreibmotivation in Form klitzekleiner Briefchen und einzelner Wörter unter die Nase.

DU SIS SöN AuS

Wann können wir endlich schreiben, Frau Weh?, war der dritthäufigste Satz des zweiten Schultages. Gleich nach Wann ist Frühstück? und nur ganz knapp hinter Ich muss mal! (Ich auch! Ich auch!)

SchreibfinkGlücklicherweise haben die Fragen nach Frühstück und Pinkelpäuschen mittlerweile etwas abgenommen. Geblieben ist die Schreibmotivation und der Hunger nach Ideen. Während es manchen Kindern nur so aus dem Bleistift zu fließen scheint, tun sich andere etwas schwerer damit, eine Idee zu finden, über die es sich zu schreiben lohnt. Also habe ich über die Jahre gesammelt: Zeitungsartikel und Fotos, Bilder und kleine Geschichten.

Dazu Lehrermaterial zum Kreativen Schreiben und viele, viele Gegenstände. Da gibt es eine Schreibtruhe, ein geheimnisvolles Säckchen, einen mysteriösen Schlüssel (wo passt er nur?), Wörterkommoden, seltsame Gegenstände und fantastische Zaubersprüche. Lehrer und ihr Material. Ihr kennt das ja. Trotzdem habe ich laut „JA!“ gerufen, als der Finken Verlag angefragt hat, ob ich den Schreib-Fink testen möchte.

20151019_14032779 Bildkarten mit Illustrationen, Wimmelbildern, Gemälden und weiteren Abbildungen warten darauf, erkundet und be-schrieben zu werden. Farblich gekennzeichnet lassen sich die stabilen Karten 1o unterschiedlichen Themenbereichen zuordnen. Ich war zugegeben überrascht, dass die Zweitklässler das Ordnungssystem übernommen haben. Aber tatsächlich stecken die Bilder (meistens) ordentlich sortiert im Kasten.

Dazu gibt es ein Handbuch, in dem ausgewählte Bilder noch einmal als Kopiervorlagen abgebildet sind, mehrere Bilder auf Farbfolien (praktisch für Schreibimpulse zu einem gemeinsamen Thema oder sehr zu empfehlen als Gesprächsanlass) und ein bisschen Killefitz wie Anlauttabellen, Fingerpuppen und kleine Papplupen. Während ich Tabellen und Fingerpuppen noch nie benutzt habe, waren die kleinen Lupen ein echter Gewinn. Kopiert, in der Mitte ausgeschnitten und dann – der Clou! – laminiert dienen sie nun fächerübergreifend als motivierendes Bonbönchen immer dann, wenn es gilt, besondere Details zu erkunden. Sei es als Korrekturinstrument im Heft des Nachbarn, als Lesehilfe oder am Projektor. Fehler finden sich gleich viel schneller mit einer Spitzenlupe in der Hand. Ein pädagogischer Knaller! Das hat der Finken Verlag vermutlich nicht einmal selber geahnt. Da kann Finki, die Fingerpuppe echt einpacken!

Die Unterrichtshinweise, die ebenfalls im Zusatzmaterial enthalten sind, habe ich zugegeben noch nie benutzt. Ein interessiertes Durchblättern hat allerdings ergeben, dass sie nicht verkehrt sind und durchaus zu Rate gezogen werden könnten. Mehr (und etwas neutralere) Informationen gibt es direkt auf der Schreib-Fink-Seite. Dort kann man auch ein paar Musterseiten begutachten und ein Filmchen schauen. Ich kann abschließend sagen, dass die Box hier super ankommt. Danke, dass wir testen durften!

 

 

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15 Kommentare zu „Schreib flink mit Schreib-Fink

  1. Wie gut, dass du an diese schöne Kartei erinnerst. Zwischen alle den Einsterns Schwestern habe ich sie noch nicht in die Klasse gestellt, kann aber sagen, dass sie in meinem letzten Durchgang auch immer gerne genutzt wurde. Mal sehen, ob ich noch ein Schulpfloch finde, denn schreibbegeisterte Kinder habe ich in meiner Klasse durchaus auch! Wie schön wars doch ohne Sprachbuch….
    LG Gille

    1. Ich mache mich frei vom Sprachbuch. Das geht allerdings auch leichter, da es nicht von den Eltern angeschafft wurde. Ab und an greife ich auf Texte aus dem Lesebuch zurück oder kopiere Material aus dem Arbeitsheft. Aber diese Zwänge, die sich dabei auftun, mag ich nicht mehr. Vielleicht kannst du die Kartei in der Freiarbeit einsetzen?

      1. Ich habe es jahrelang so gemacht wie du, aber mit neuen Kollegen kamen auch neue Wünsche. Jetzt muss ich mal überlegen, denn Zwänge gibt es ja immer nur so lange, wie man sie zulässt und sich freizuschwimmen geht immer…. (auf jeden Fall in Teilen)
        Du hast da für mich was Gutes angestoßen!
        LG Gille

    2. Es muss ja nicht immer alles gleich sein im Jahrgang. In der ersten Klasse hatten wir in der Klasse Karibu, die beiden Kollegen Tobi. Jetzt kommt in allen drei 2. Klassen Flex und Flora sowie Flex und Flo zum Einsatz. Die beiden anderen Klassen haben tatsächlich alle 8 Hefte anschaffen lassen. In unserer Klasse gibt es nur 3 (2 in Mathe und 1 in Deutsch). Und auch die werden wir nicht alle „schaffen“. So kann man offiziell klassenübergreifend das gleiche Material benutzen, und letztendlich doch von Klasse zu Klasse ganz individuell arbeiten. Im 4. Jahrgang haben wir momentan sogar eine Klasse, die in Deutsch auf alle Arbeitshefte und Lesebücher verzichtet.
      LG! Chester

  2. Das klingt nach einer tollen Möglichkeit für die Kinder, ins Schreiben zu kommen. Bisher hatte ich noch keine Chance, die Freiarbeit zu etablieren (ich arbeite auch mit Einsterns Schwester und viel Zeit bleibt da nicht), aber das will ich gerne im kommenden Jahr ändern.

  3. Ach, was ich noch vergaß: Lieben Dank für deine Vorstellung des Materials!

    Es könnte meinen Kindern sicher auch gefallen. Aber bevor ich es anschaffe, gucke ich mal im Lehrmittelraum. Dort finden sich manchmal verborgene Schätze…
    LG! Chester

  4. Die Idee mit der Lupe wird promt übernommen von mir – das kann man in der Unterstufe zum Korrigieren eigener Texte und der des Nachbarn ganz sicher gebrauchen – danke!
    Ich sammele übrigens auch Bilder – gerne aus der Chrismon, da sind vorne immer große Fotos drin, die irgendetwas Irritierenden an sich haben, die klebe ich auf farbige Blätte, laminiere sie und hefte sie in einem mittlerweile fetten Ordner ab. Dieser Ordner wird von den Schülern geliebt und führt auch zu klasse Geschichten – sogar noch in der Oberstufe. Damit schmeißt sich jede Vertretungsstunde von allein.
    Viel Spaß noch beim Schreiben und viele Grüße von Frau Henner

    1. „Ich sammele übrigens auch Bilder – gerne aus der Chrismon“

      Ich bediene mich gerne an der frau+mutter, tolle Bilder, gute Gedichte.
      Einen schönen 3. Advent! 🙂

  5. Danke fürs Vorstellen ! Ich finde es klasse, auf diesem weg zu erfahren, mit was die kinder ( mein kind) im Unterricht lernt. 🙂
    noch eine Frage…… Was ist denn ein sprachbuch ?
    Bei uns funktioniert das Erzählen (und hoffentlich auch bald das schreiben) ganz gut mit den Story Cubes

    1. Die Story Cubes mag ich auch gerne, benutze sie aber nur im Förderunterricht, weil meine Klasse so groß ist. So viele Würfel habe ich nicht 😉
      Ein Sprachbuch ist ein Deutschlehrwerk.

  6. Oh wie genial!! Ich danke dir! Du bist jetzt die zweite, die den finken Verlag empfiehlt. Ich bin doch auf der Suche nach DeutschKursMaterial für geflüchtete Kinder und Jugendliche… Wenn du noch mehr Tipps hast. Aber Ähnliches hatte ich mir auch schon überlegt. Themenspezifisch Kram dabei zu haben, der für diese Kids alltagstauglich ist. Mal schauen.
    Einen schönen Abend dir und nochmal DANKE!

    PS: Worüber freuen sich Deutschlehrerinnen eigentlich am meisten, wenn man ihnen als Elternschaft behilflich sein möchte?!?

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