Poly-Esther

Nachdem ich mehrfach per E-Mail gefragt worden bin, wann ich denn endlich ein neues pädagogisches Outfit einzustellen gedenke, nutze ich die heutige Abwesenheit der Familie, um ebendies zu tun. Nicht ohne jedoch auf Mithilfe zu hoffen, denn das heutige Teil ist ein wenig … schwierig. Es besteht nämlich zu 100% aus Polyester. Po-ly-ester. Nicht aus Polyester und …, nein komplett aus Polyester. Das ist irgendwie eklig. Fühlt sich auch so an. Leicht kratzig. Und wenn man schon ein Fingerspitzen-Kontaktproblem mit Mikrofaser hat (so wie ich), dann hat man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch eins mit Polyester (so wie ich).

Jetzt könnte man sich fragen, wieso hat sie es sich denn bloß gekauft, das Teil?

chevron dress

Ich schäme mich ein wenig, es zuzugeben, aber, naja, es ist gezackt.

Muss ich mehr dazu sagen?

Jeder kann Streifen, aber gezackt ist ja wohl ziemlich cool. Außerdem ist der Schnitt für mich ganz prima, ich bin nämlich mehr Birne als Apfel. Und Birnen brauchen bekanntlich etwas mehr Weite um den Poppes. Die ist hierbei definitiv gegeben. Was aber auch nicht viel nützt, denn sobald es warm wird, meldet sich die Polyester-Schwester und tut, was ihre chemische Natur ihr eben gebietet: Kleben. Das war es dann mit luftiger Weite. Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn ich im Hochsommer in diesem Kleid den Sitzplatz eines öffentlichen Verkehrsmittels belegen würde. Unschöne Geräusche beim Ablösen von der Sitzfläche wären vermutlich mein geringstes Problem. Vielleicht würde ich durch die Fensterscheibe Feuer fangen und unter schlimmer Gasentwicklung schmelzen. Oder – oh Graus! – das Kleid würde schmelzen und ich wäre noch da! Furchtbare Vorstellung. Oder ich komme urplötzlich in die Wechseljahre und habe gerade dieses Kleid an. Dann sterbe ich an plötzlichem Hitzschlag und retten kann mich auch keiner, denn einen Stoff, der schmilzt, kann auch der geübteste Rettungssanitäter vermutlich nicht herunterschneiden.

Dabei könnte alles so schön sein, denn kombinieren lässt sich die Poly-Esther ganz hervorragend:

gezacktes Kleid gestreiftes kleid gestreiftes Kleid kombinieren gestreiftes Kleid Jeansjacke gezacktes Kleid kombinieren

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aber ich fürchte, dass es sich hierbei um eine amour fou handelt oder wenigstens eine reine Winterliebe, bei der das Kleid und ich aufgrund strategischen Zwiebellooks überhaupt keinen Körperkontakt haben. So mit warmem  Omma-Hemdchen drunter und puscheligen Handschuhen.

Vielleicht mache ich aber auch was anderes draus. Upcycling ist ja derzeit unglaublich angesagt.

Die Verwendung als stylischer Putzlappen scheidet übrigens aus, die Poly-Esther ist so wasserabweisend, dass man sich im Regen drunter setzen könnte ohne sich die Dauerwelle zu verderben. Eventuell könnte man das Kleid im Physikunterricht einsetzen. Beim Kontakt mit einem durchschnittlich geladenen Zweitklässler brizzelt es nämlich recht laut. Ich könnte mir vorstellen, dass ein chemisch aktiver Pubertant es hiermit zu veritablem Funkenflug bringen würde. Oder man könnte das Kleid auf einer Retroparty tragen. Da müffelt es ja ohnehin oft sehr vintage.

Solltet ihr weitere Verwendungsideen haben, immer her damit! Vielleicht lässt sich dieser pädagogische Fehlkauf dann noch in etwas Tolles umfunktionieren?

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29 Kommentare zu „Poly-Esther

  1. Von Fehlkauf würde ich noch gar nicht reden, sondern zunächst mal gucken, was sich draus machen lässt! Ich probiere derzeit mit Unterrock gegen das Polyblem anzugehen, z.B. von Waschbär – aus Baumwolle und sehr schick! Und das Kleid ist wirklich zu schön, um nicht getragen zu werden. Danke für das pädagogische Outfit! Nach wie vor mein persönliches Highlight auf den Lehrerseiten!

  2. Ich finde das Kleid auch total toll und hätte es ebenfalls gekauft. Ich habe den Eindruck, dass in der heutigen Zeit wenig auf das Material geachtet wird, obwohl das ja doch eigentlich wichtig ist. Aber hey, gezackt schlägt Polyester! Vielleicht mit einem Unterkleid oder einem Unterrock tragen, oder zur Übergangszeit mit Strumpfhose, wenn es farblich schon passt aber noch nicht so heiß ist?
    Wo wurde das gute Stück denn erworben?

  3. Viel zu schick für den Kleiderschrank! Tolle Kombinationsmöglichkeiten hast du da. Auf so etwas komme ich nie.
    Wie wäre es mit einer dieser kurzen „Radler-Hosen“ zum Darunterziehen, komme leider gerade nicht darauf, wie die heißen. Dann klebt und pritzelt es vielleicht nicht 🙂

  4. Ich muss mich in die Reihe der Kunst-Stoff-Geschädigten einreihen! Ich lasse an meine Alabasterhaut (Hüstel! 😉 nur Naturfasern, weil ich bei dem ganzen Plastikkrams innerhalb von Sekunden Panikattacken, Erstickungsanfälle wegen der von mir selber ausgelösten Geruchsbelästigung und rote Quaddeln bekomme! Also kann ich nicht so auf Zack sein mit so einem schicken Kleid. Mal abgesehen von der Tatsache, dass ich werder Apfel noch Birne sondern eher Kürbis bin! 😦 Trotzdem ist mir noch eine Verwendungsmöglichkeit für dein Stück eingefallen: Meine Mutter (Gott hab sie selig!) hatte in den 80ern immer noch diese Kittelschürzen in ähnlichen Mustern an, die auch zu 100 % aus Polyester waren. Also das wäre doch ne Idee! Eine Kittelschürze daraus geschneidert, Lockenwickler ins Haar – und fertig ist das nächste Karnevals-Outfit! 😉

  5. Hmmmm…ich gehöre ja zur nähenden Fraktion …also ich würde ja kurzerhand die Schere ansetzen und das Polyteil in seine Einzelteile zerlegen. In den weiten des Netzes findet sich bestimmt ein ähnlicher stoff. Drauflegen, wieder schneiden, zusammennähen, und schon ists vorbei mit polyesterproblemen 🙂

  6. Mach dir eine Vogelscheuche für den Garten, weiblich. Du kannst dich sicher jahrelang an ihr erfreuen. Die Holzstecken wirst du vielleicht irgendwann erneuern müssen, aber die Zacken werden dir noch immer ordentlich entgegenblitzen. Die ist enkelkindtauglich, Frau Polly-Esther Vogescheuche.

  7. Warst du damit schon schwimmen? 10 Bahnen wie ein Zackenbarsch, dann Amphibien-mäßig rausklettern, dreimal schütteln und ab in die Klasse. LG Uta

  8. Wie HERRLICH das zu lesen. Glücklicherweise habe ich alleine eine Freistunde und keiner sieht mich, wie ich verzückt den Bildschirm des Laptops im Lehrerzimmer angrinse!!
    Ich habe übrigens auch ein Mikrofaser- Polyester-Anfass-Problem. Beim Putzen kann man sich da ja noch mit Gummihandschuhen helfen- aber zu DEM Kleid passen gelbe Gummihandschuhe leider definitiv GAR NICHT
    :D:D:D
    LG Karo

  9. Ein schickes Teil und tolle Tragevarianten. Glückwunsch zum geübten Kombi-Blick und dem guten Geschmack. Schade, dass der Stoff so blöd ist… Ich hadere jedoch mit dem zusätzlich eingefügten „h“ 😑 Was haben der Stern (hebr. Bedeutung von Esther) und die Chemie miteinander zu tun? Der Name ist eigentlich sooo schön ☺️ Ich heiße so. Und habe mich immer geärgert, wenn die Poly-Esther wieder mal bemüht wurde… LG von Esther

    1. Liebe Esther,
      weder Kleid noch Beitrag sollten bei dir ein Trauma hervorrufen! In der Tat ist dein Name ganz wunderschön und sollte dich in diesem Bewusstsein eigentlich vor jeder Kränkung bewahren 🙂

  10. Mal eine ganz andere Frage: Hast du bei deinem pädagogischen Outfit nie Angst, dass dich daran mal jemand „entlarvt“?
    Lg Julia

    1. Hallo Julia,
      gute Frage! Sorge habe ich keine, weil ich viel variiere und die Kleidungsstücke (vom aktuellen Poly-Traum mal abgesehen) in der Regel auch gar nicht so auffällig sind. Meistens lasse ich dann aber auch eine ganze Weile verstreichen, bevor ich dann genau das gleiche Outfit in der Schule anziehe.

  11. Hallo! Ich würde es, wie schon jemand erwähnte, nachschneidern lassen oder aber die Schere ansetzen und einen Rock draus machen, in den man dann ja einen Baumwollunterrock (Seide wäre besser) nähen könnte. Ist ein schickes Teil, ein ähnliches, aber mit Armen, habe ich mir gerade bei C&A gekauft und jaaa, auch aus Polyesther, aber ich habe diese Polyprobleme nicht und schwitze auch nicht darin. Die Kombis sind sehr hübsch. Was tragen Sie denn dazu für Schuhwerk? Auch mal lässig mit Sneaker? Ich komme immer auf den obligatorischen Spangenpumps zurück und will das ändern. Beste Grüße!

    1. Die Idee mit dem Rock finde ich gut. Mal sehen, ob und wie ich das angehe.
      Im Moment ziehe ich fast ausschließlich Stiefel an, sonst stirbt man in den Aufsichten ja den langsamen Kältetod. Pumps finde ich schick, ziehe ich aber in der Schule nicht an. Wenn es wärmer wird, kombiniere ich meistens mit flachen Mary-Janes.
      Viele Grüße zurück 🙂

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