Ran an den Herd

Eine ganz sicher nicht repräsentative, aber nichtsdestotrotz in ihrem Ergebnis alarmierende Umfrage in meinem eigenen Kolleginnenkreis hat ergeben, dass Deutschlands Grundschullehrerinnen sich nicht gut ernähren. Nicht genug damit, dass immer irgendetwas auf dem Lehrerzimmertisch steht oder ein Kind krümeltrockene Geburtstagsmuffins verteilt. Nein, besonders schlimm sind die Mittagsstunden. Da wird nicht lange gefackelt oder gar auf Vitamingehalt hin ausgewählt. Ob Schokolade, Kekse, Schinken-Käse-Croissant, egal, Hauptsache schnelle Sättigung!

Nicht gut.

Jetzt mal ganz abgesehen von der Vorbildfunktion, die zu umgehen den schnellen Griff zum feisten Schokoriegel erst möglich macht, müssen wir doch etwas besser auf uns selber achtgeben. (Tut ja sonst keiner.) Und nur, weil der eigene Nachwuchs mittags in der Mensa und der Gatte in der Kantine isst, muss das doch nun wirklich nicht heißen, dass sich geforderte Lehrkräfte nach dem kräftezehrenden Vormittag auf die Schnelle nur ein pappiges Brötchen oder klebriges Teilchen hineinschieben dürfen, um nicht auf der Stelle unterzuckert umzufallen. (Nichts gegen ein ordentliches Teilchen. Ich liebe Teilchen!)

Aber wenn nach der Schule schnell die eigene Brut von der Tagesmutter abgeholt werden muss, kann man doch nicht noch stundenlang am Herd stehen!?

Stimmt. Aber nicht nur Jamie Oliver, der alte Küchenschlingel, kann schnell in der Küche sein, wir schaffen das auch. Wir schaffen ja auch halbschriftliche Multiplikation, Sexualerziehung, Stromkreis und Reizwortgeschichten in nur vier Unterrichtsstunden. Was ist denn schon ein flottes Drei-Komponenten-Essen dagegen? Geht alles. Ist nur eine Frage der Organisation.

Veggie BowlWas hier jetzt wesentlich schweinchenfarbiger als in natura daherkommt (verzeiht das Foto, die Farbe der Salsa geht gar nicht, dafür ist immerhin der Salat schön grün), ist ein Speedy-Gonzales-Mittagessen: Gemüse-Couscous, Feldsalat und Salsa. Die Kombination aus gekocht, roh, warm und kalt in einer Schüssel wird in Szenerestaurants übrigens mittlerweile schick als Bowl bezeichnet. Ich bin nicht so für schick, finde Schüsselessen aber praktisch, weil geschirrsparend. Unter Zuhilfenahme einiger Helferlein steht der Napf in 10 Minuten essfertig auf dem Mittagstisch und beinhaltet zumindest ein paar mehr Vitamine als ein handelsüblicher Schokoriegel. Und wo die ja gerade massenweise aus dem Verkauf zurückgezogen werden, ist das vielleicht der Moment, um eine etwas frischere mittägliche Esskultur einzuführen.

Also los:

Küche betreten, Wasserkocher füllen und anschalten, Pfanne auf den angeschalteten Herd stellen und eine Tasse Couscous mit etwas Salz in eine Schüssel füllen. Salat (besonders gut eignet sich gerade Feldsalat, der muss nicht noch zerteilt werden. Zur Not darf aber auch mal eine Tüte Fertigsalatmischung ran) und ein paar Tomaten waschen. Eine gute Tasse Wasser über den Cousous gießen und verrühren, ziehen lassen. Eine Packung Tiefkühlgemüse (zu Couscous passt gut eine Mischung aus Zucchini, Bohnen, Paprika und Brokkoli, aber natürlich geht auch jede andere Mischung) und einen Esslöffel Rapsöl in die heiße Pfanne geben. Die Tomaten mit einer Handvoll Zwiebelwürfel (im Hause Weh gibt es die immer tiefgekühlt und bereits gewürfelt), etwas Zitronensaft, Salz und Pfeffer mit dem Pürierstab zu einer eisgekühlten Salsa mixen. Ein Salatdressing mischen. Die Gemüsemischung unter den Couscous rühren, Salat und Salsa dazu, Dressing drüber, ein paar Körner dazu, nachwürzen und fertig. Wer mag, packt noch ein paar Löffel Naturjoghurt und einen halben Apfel dazu. Dann habt ihr ein 1a Basisessen, das euch satt und zufrieden macht und Gelüste gar nicht erst aufkommen lässt.

Um es noch ein bisschen schneller zu machen, bereite ich bereits am Wochenende eine große Portion unseres Lieblingsdressings vor und stelle es im Marmeladenglas in den Kühlschrank. Auch Salsa habe ich oft schon fertig. Beides hält sich locker ein paar Tage und rettet mich häufig, wenn ich in einem schrecklich-hungrigen Zustand aus der Schule komme und wirklich, wirklich keine 30 Minuten auf mein Essen warten kann. Kennt ihr dieses Gefühl? Dass man auf der Stelle etwas essen muss? Passiert mir interessanterweise häufig nach Fachunterricht in den letzten Stunden. Offenbar haben Fachstunden einen hohen Kalorienverbrauch. Kein Wunder eigentlich, wenn man mal genauer drüber nachdenkt. Ich werde unbedingt die Schulleitung nach mehr Fachunterricht im kommenden Schuljahr fragen!

Die restliche Couscousmischung und den übrigen Salat packt ihr in den Kühlschrank und freut euch darüber, dass ihr am nächsten Tag bereits für euer Mittagessen vorgesorgt habt. Dann lasst ihr euch für ein paar Minuten entspannt am Tisch nieder und lasst es euch schmecken. Das war doch jetzt eigentlich gar nicht so schwierig, oder?

Sorgt gut für euch! 🙂

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17 Kommentare zu „Ran an den Herd

  1. Hihi, toll geschrieben! Wenn ich aus der Schule nach Hause komme, habe auch immer das Gefühl, dass ich gleich verhungere. Dann stopf ich auch oft völlig ungezügelt Süßis u.ä. in mich hinein 😦
    Werde mir deinen Post zu Herzen nehmen 🙂
    LG Sabine

  2. Wieder mal ein großes Problem aus dem Grundschultantenalltag treffend geschildert! Verhaltensauffälligkeiten seitens der Lehrerin zwischen 13 und 14 Uhr können nun eingeschränkt werden:)Danke Frau Weh für das Erweitern des Notprogramms-ich bin überzeugt,das schmeckt;)

  3. Denke das Problem kennen nicht nur fachunterrichtende Lehrer… aber es gibt wirklich viele schnelle, leckere und gleichzeitig gesunde Gerichte. Vieles lässt sich am Abend vorher zubereiten und dann erwärmen oder auch kalt essen. Und wenn es wirklich die Tiefkühlpizza sein muss: Während die im Ofen ist, schnell noch Gurken und Tomaten als Salat dazu schnippeln. Oder selbstekochtes einfrieren und dann eben bei Bedarf auftauen. Das mache ich gerade, für die Zeit wenn Babybruder frisch geschlüpft ist 🙂 da gibs auch Hungerattacken a la Fachunterricht und auch keine Zeit.
    Guten Appetit!

    1. Doch, die Möglichkeit besteht natürlich in der OGS. Aber problematischer ist das Essen meist für die Kolleginnen, die schnell nach Hause müssen, als für die, die bleiben können.

  4. Ach ja, die Hungerattacke nach der Schule … Eine gute Idee, liebe Frau Weh (gereimt!) aber fünf Tage die Woche … Ich weiß ja nicht, dir ist schon klar, das wir jetzt noch vier andere solche Schneelgesundlehrerinnengerichte brauchen, um uns auch noch abwechslungsreich zackig zu ernähren?! *wink mit zaunlatte off*
    Liebe Grüße

  5. Liebe Frau Weh – mach doch einen Fotowettbewerb draus: Notfalls reicht ein unscharfes oder verwackeltes Bild sogar, die Idee zu erkennen – schließlich sind wir ja Lehrer_innen und sind geübt, in undeutlichen Darstellungen (bildlich und schriftlich) den Sinn zu erkennen und zu loben…
    Nach jedem von vielen Leser_innen so dringend gewünschtem Rezept lässt du uns eine Woche Zeit, es nachzukochen und kurz vor dem Verschlingen noch ein fesches Foto zu machen – das beste darf dann hinterher deinen Artikel zieren – was meinst du?!?

  6. Danke für das Rezepf, hier isst weder der Mann noch die Kinder extern. Noch dazu komme ich quasi mit den Kindern nach Hause und alle haben dann Hunger. Meine Rettung ist Vorkochen am Abend und der programmierbare Backofen hat es fertiggekocht. Dadurch sind es häufig sehr ähnliche Rezepte und ich bin immer auf der Suche nach Neuem. Neulich bin ich hierüber gestolpert und bin begeistert. Vlt. ist es auch was für dich.

    http://ringelmiez.de/2016/02/13/rezept-der-woche-gesuender-essen-mit-salat-im-glas/#comments

    Und danke für das pädagogische Outfit und für deinen Blog. Liebe Grüße

  7. Was für ein super leckeres und schnelles Rezept!
    Ich habe es gestern ausprobiert und bin begeistert – das gibt es jetzt öfter 😋
    Vielen Dank und viele Grüße
    Kathrin

  8. Ach ja, der Kinderwürger (sehr gerne in Muffinform) und die ständig lockende Süßigkeitenecke gibt es bei uns auch. Jetzt in der Fastenzeit ist es nicht ganz so schlimm, aber ich muss leider zugeben, dass dieses Stressessen in der Schule auch eine meiner schlechten Angewohnheiten ist. Ich fände ein paar Tipps für Snacks in der Schule (am besten Sachen, die auch ein bisschen stehen bleiben können) ganz toll. Denn es ist halt doch irgendwie nett, wenn man nach dem Fachunterricht was kleines „naschen“ kann 😉

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