Silvester

Es ist Silvester und ich schnitze einen Zwerg.

Eigentlich schnitze ich an einem Zwerg, denn dafür, dass dieser – von mir bereits liebevoll auf Silvester getaufte – kleine Kerl das Licht der Welt so schnell nicht erblicken wird, sorgt schon mein Mangel an passendem Schnitzwerkzeug. Auch das Aststück, das ich mir ausgesucht habe, entpuppt sich als recht widerspenstig.

Der Wolf. Das Lamm. Auf der grünen Wiiiiiese! HURZ!

Selbstverständlich mangelt es mir neben sinnvoller Ausrüstung auch an Verstand guter Vorbereitung. Wie sonst ist es zu erklären, dass ich mich nicht wenigstens kurz schlau gelesen habe, wie man das so macht mit dem Schnitzen, aber nein, mein Gedanke war „Hey, du hast noch nie einen Zwerg geschnitzt!“, also schnitze ich einen Zwerg. Das ist wieder einmal so typisch Frau Weh!

Da sitze ich also und hole mir eine Lektion in Sachen Demut ab.

Und eine in Sachen Geduld.

Und eine Schwiele an der Hand.

Es dunkelt bereits, doch mit viel gutem Willen lässt sich bereits ein zartes Mützchen erahnen.

Also, dass es dermaßen langsam voran geht …!? Nein, das hätte ich so nicht vermutet. Um die Wartezeit ein wenig zu verkürzen, erzähle ich dem werdenden Wichtel, was dieses Jahr so los war bei den Wehs. Ein guter Zuhörer ist er ja! Nach über einer Stunde sitze ich in einem Haufen Späne und bin doch tatsächlich trotz Schwiele in der rechten Hand und Blase am linken Daumen bester Laune. Ist mir doch während des Schnitzens glatt ein ein guter Vorsatz für das kommende Jahr in den Schoß geplumpst: Mach dir ’nen Zwerg!

Stillvergnügt kehre ich mit einbrechender Dunkelheit und zunehmendem Geböller die Späne auf und lasse Silvester in mein Herz und in mein Heim einziehen. Denn eins ist klar, mit Silvester und mir, das wird was für länger!

Im Kerzenschein (und mit viel Wohlwollen) betrachtet, lässt sich schon der Hauch einer Zwergenmützenspitze erkennen. Nee, wat schön!

 

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15 Kommentare zu „Silvester

  1. Liebe Frau Weh,
    ich wünsche dir viel Freude bei der Schnitzarbeit. Gespannt warte ich auf die Geburt des kleinen Silvester. Ich wünsche dir Muße und Gelassenheit (nicht nur bei der Schnitzarbeit).
    Schön, dass wir uns persönlich kennengelernt haben.
    Liebe Grüße, Anne

  2. Einfach immer wieder so treffend, so lebensecht, so unterhaltsam, so bestätigend- ich freue mich aufs 2018 und sende die besten Gedanken!

  3. Liebe Frau Weh,
    wie immer hast du sehr anschaulich erzählt. So ein Silvester entsteht natürlich nicht an einem Tag – jeder weiß doch, dass 364 Tage vorher schon die Vorbereitung läuft. Insofern hast du ja noch lange Zeit, doch ich glaube, dass der Zwerg nicht so lang auf sich warten läßt. Ich wünsch dir weiterhin viel Freude beim Schnitzen mit allen prositiven Erkenntnissen die so eine Geduldarbeit mit sich bringt.
    LG eSTe

    1. Also nachdem mir das große Wehwehchen (kopfschüttelnd) das richtige Messer in die Hand gedrückt hat, lief es schon um einiges besser 😀
      Liebe Grüße und alles Gute!

  4. Liebe Frau Weh!
    wie mutig von dir einen Zwerg schnitzen zu wollen-einfach so-an Silvester. Als Kinder haben wir das doch ganz selbstverständlich gemacht, mit selbstverständlich eigenem Taschenmesser! Heute käme ich nicht mal auf die Idee, es sei denn Stockbrotstecken fürs Klassenfest zu schnitzen…Aber wirklich berührt hat mich dein Kommentar unter dem ersten Foto: Hurz…Hape…auch so ein wunderbarer Mensch, der immer noch sein inneres Kind nach außen zeigen kann. Ich vermisse Hape und freue mich, dass du ihn mit diesem herrlichen Blödsinn zitierst. Ich habe deinen Blog und deinen Humor fürchterlich vermisst. Umso mehr freue ich mich für alle Lehrerinnen und Lehrer?dass du wieder regelmäßig schreibst…es hilft unendlich im Schulalltag, wo irgendwie das „Hurz“ verloren gegangen zu sein scheint.
    Ganz liebe Grüße auch an Silvester

    Frl. Honig

    1. Und jetzt hast du mich ganz schön berührt! Danke für deine lieben Worte und ich werde mich nach Kräften bemühen, hier wieder regelmäßig ein prägnantes Hurz zu hinterlassen 😀
      Alles Liebe für dich!

  5. Liebe Frau Weh.
    ich wünsche ein prall gefülltes Jahr 2018 und die Kraft, es zu genießen.
    Zum Glück zog die Demut rechtzeitig ein, bevor dir durch ein böses Astloch und ein eher mäßig taugliches Schnitzwerkzeug blutig abgenötigt werden musste.
    Ich freue mich, wieder öfter etwas aus dem ganz normalen Schulwahnsinn zu lesen!

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