macht euch jetzt bereit

… bis Weihnachten, bis Weihnachten ist nicht mehr weit.

Das Miniweh und ich adventeln dieses Jahr in Hochform. Wir singen, wir falten, schneiden, kleben und backen. Dazwischen schauen wir mal einen Weihnachtsfilm, bewältigen das übliche (und wie jedes Jahr gewaltige) Vorweihnachtsprogramm in Schule und Vereinen und  – das überrascht mich dann doch am meisten! – genießen es alle in vollen Zügen.

Ja, natürlich ist es viel! Selbstverständlich haben mich die Beratungsgespräche für die Viertklässlereltern auch diesmal an meine Belastungsgrenze und eins auch darüber gebracht. Aber trotzdem fühlt es sich jetzt im Moment nicht so grässlich an, nicht so gestresst oder fremdbestimmt.

Vielleicht liegt es am Schnee, der alles in pudergezuckerte Vorfreude und watteweiche frohe Erwartung hüllt. Denn das ist es ja, was ich am Advent schon immer so geliebt habe, die Vorfreude, die Erwartung, die Ankunft. Vielleicht ist es auch wieder ein Stück mehr gewonnene Gelassenheit. Wer weiß?

So lassen dann auch wir wieder Sterne aufgehen, verbringen Wochenendtage im Schlafanzug und gestehen uns das zu, was uns am meisten gut tut: Ruhe.

Und als es sich richtig anfühlt, packen Herr Weh und ich unsere Schuhe für eine Laufrunde mitten durchs Winterwunderland. Vor lauter entzückten Zwischenrufen komme ich leicht aus der Atemroutine, aber wie wunderbar ist es doch, dass die Schönheit um uns herum uns aus jeglicher Routine zu reißen vermag. Und es ist schön! Wäre ich nicht ein Verächter mehrerer sinnlos aneinandergereihter Satzzeichen, ich würde an dieser Stelle mit Ausrufezeichen nur so um mich werfen! Noch eins und noch eins und noch eins!

Wirklich alles sieht unglaublich aus. Und dann noch dieses Geräusch, wenn man auf den Schnee tritt! Dieses knirpsch – knirpsch – knirpsch! Kennt ihr das?

Meine Euphorie lässt erst ein bisschen nach, als ich in überfrorenen Matsch trete und feststelle, dass permeable atmungsaktive Schuhe möglicherweise nicht die beste Wahl für dieses Wetter darstellen. Das Geräusch der zerspringenden Matschkruste reißt es allerdings fast wieder raus: tschrrrroing -blatsch – tschsch.

Neben meinem (sehr verdreckten) Schuh seht ihr hier den deutlich pragmatischer beschuhten Fuß von Herrn Weh. (Nicht im Bild sind leider die kleinen Lebkuchenmännchen auf meinen Strümpfen. Wer möchte schon professionelle Laufsocken anziehen, wenn man stattdessen Weihnachtssocken tragen kann? Na also!) So sehen Heldenfüße aus!

Frischluftgestärkt wende ich mich dann der Korrektur der letzten Klassenarbeit diesen Jahres zu.

Und, nein, da gibt es jetzt kein Bild von.

 

 

 

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und wieder Fast Food

Zwischen Elternsprechtag und Mathearbeit hier ein weiteres schnelles Essen aus der Kategorie bunt und gesund:

FitnessburgerDas hier ist wirklich ganz schnelle Küche. Keine fünf Minuten und trotzdem alles drin, was gut ist. Familientauglich ist das auch. Man muss die Kinder nur selber belegen lassen und das ganze als Familienburger bezeichnen. Man nehme Körnerbrötchen nach Wahl, türme pflanzlichen Aufstrich (hier wird gerne alles mit Curry gegessen), je nach Vorliebe ein magisches F (Falafel, Fischstäbchen oder Frikadellen), eingelegte Tomaten und ein paar Blättchen Salat aufeinander, klappe das Ganze zu und freue sich daran. Aufgemotzt werden kann das belegte Brötchen (denn um nichts anderes handelt es sich ja nun einmal) mit Salat, Tomaten, Gurken oder anderem Grünzeug. Die Wehwehchen packen sich gerne noch eine Scheibe Käse mit drauf. Herr Weh bevorzugt Feta und ich esse das jetzt GANZ GENAU SO! Lecker.

Elternsprechtag

Ich bin nicht sehr groß. Meine Gesamterscheinung beeindruckend zu nennen, wäre gnadenlos übertrieben. Aber ich kann lächeln. Und es ist dieses Lächeln, das ich nun wie eine Einmannramme vor mir hertrage, als der Physiklehrer des mittelgroßen Wehwehchens pünktlich um 14.00 Uhr die Tür zum Fachraum öffnet. Heute ist Elternsprechtag und mehr noch als die Info, dass eben dieser Lehrer die Leistung meines Ehesegens vor zwei Wochen mündlich auf eine Vier minus festgesetzt hat, trifft mich die Tatsache, dass er auf den Einwand des verdatterten Kindes, es sei ansonsten ein guter Schüler, einfach aufgelacht habe. Ob ungläubig oder spöttisch sei dahingestellt. Da muttiert doch wohl die gelassenste aller Mütter. Und tobt. (Oder benutzt Tiernamen.)

Der Lehrer begrüßt mich mit Namen und einem vagen Kopfnicken Richtung Stuhl.

„Herr Poundal“, beginne ich das Gespräch, „bevor wir konkret über meinen Sohn reden, möchte ich Ihnen gerne als Rückmeldung geben, wie positiv überrascht wir als Eltern von der Notentransparenz waren, die Sie den Schülern zu so einem frühen Zeitpunkt vermittelt haben. Wir erkennen die Chance, die Sie den Kindern damit geben.“

Des Physiklehrers Gesicht überzieht ein ungläubiges Staunen. Er wirft einen raschen Blick in seine Notenliste. Doch, da steht der Name des Wehwehchens mit einer wackeligen Vier dahinter. Er schüttelt ganz leicht den Kopf (vermutlich hat er einen anderen Gesprächseinstieg erwartet) und schaut mich zunehmend freundlich an: „Das ist ja auch mein Ansinnen. Ich möchte den Schülern die Möglichkeit geben, sich realistisch einzuschätzen und aktiv an der Gestaltung ihrer Note zu arbeiten.“

Ich nicke. „So haben wir das auch verstanden. Aber ich möchte nicht verhehlen, dass uns diese Note sehr überrascht und, ja, auch besorgt hat, da sie dem übrigen Leistungsbild unseres Sohnes nicht entspricht. Er ist ein solider Schüler und da sticht die Vier deutlich heraus.“

Herr Poundal runzelt die Stirn. „Jaaa, das hat er mir auch gesagt, dass er eigentlich ein guter Schüler sei. Ich konnte ihm das gar nicht glauben.“

Als das Wehwehchen mir dies vor zwei Wochen mitteilte, ließ ich mich auf dem heimischen Sofa zu einem durchaus beleidigenden Ausruf hinreißen, der dem Nachwuchs augenblicklich etwas die bedrückende Last von den Schultern nahm, im heutigen Gespräch aber definitiv fehl am Platze wäre. Daher unterlasse ich es, Herrn Poundal darauf hinzuweisen, wie unmöglich ich seine Äußerung finde und fahre in neutralem Ton fort. „Da hatte er aber völlig recht. Mein Sohn hat mir mitgeteilt, dass er sich vermutlich zu selten meldet und dieses Verhalten nun ändern will. Konnte er das schon umsetzen?“

„Ja“, bekräftigt Herr Poundal nach einem erneuten Blick auf seine Liste mit den Kreuzchen und den Kreisen. Jetzt sieht er wieder ein wenig irritiert aus, aber vielleicht müssen Physiklehrer ja immer ein bisschen so aussehen. Die Naturgesetze (und zweifelsohne zählt der elterliche Schutzmechanismus dazu) sind doch einfach zu überwältigend, nicht wahr? „Tatsächlich habe ich mir für die Stunden danach ein Plus notiert. Da hat er das ja schon gut umgesetzt.“

Wir unterhalten uns noch kurz darüber, wie wichtig die mündliche Mitarbeit und wie groß (und sicher nicht immer erfreulich) die Aufgabe eines Fachlehrers in der Mittelstufe sei. Ich lasse einfließen, wie interessiert das Wehwehchen vom Physikunterricht erzählt habe. Der Physiklehrer nickt verstehend. Ja, Physik sei so ein wunderbares Fach. Er schlägt vor, dass das Wehwehchen sich in regelmäßigen Abständen eine persönliche Rückmeldung abholen könne und notiert dies in seinen Unterlagen. Ich stimme dem Vorschlag zu und bedanke mich für das konstruktive Gespräch und die Zeit, die er sich dafür genommen habe. Herr Poundal strahlt.

„Bitte richten Sie Ihrem Sohn aus, dass ich mich auf seine Mitarbeit freue!“

Herr Poundal freut sich, ich freue mich (nicht ganz so sehr freut sich später das Wehwehchen über die Aussicht nun regelmäßig seinen Physiklehrer ansprechen zu müssen, aber da muss es jetzt einfach durch), Tür auf, auf Wiedersehen, vielen Dank, Tür zu. Erledigt.

„Fandest du den Poundal auch so schlimm?“, fragt mich kurz darauf die Mutter eines Mitschülers, die das Gespräch mit dem Physiklehrer in gleicher Angelegenheit schon am Morgen hinter sich gebracht hatte.

„Och“, antworte ich und trinke einen Schluck viel zu starken Pappbecherkaffees, für den ich der SV 2,- Euro ins Spendenschwein geworfen habe, „ging eigentlich.“

 

bröckelnde Bollwerke

Die jüngst angelesene erzieherische Leichtigkeit im Ohr reagiere ich an diesem Morgen annähernd vorbildlich, als mir das große Wehwehchen beim Frühstück mitteilt, es benötige seit Montag 12,- Euro Papiergeld im mit Namen versehenen Briefumschlag, einen leeren Schuhkarton für den Kunstunterricht und übrigens würde die Klasse heute einen Englischtest schreiben. Ich rege mich fast nur ein biss gar nicht auf, sondern wünsche ihm viel Glück und staune freue mich ansonsten einfach über das Wunderwerk des pubertierenden Gehirns, welches bereits vor 7.00 Uhr morgens in der Lage ist, wichtige Informationen abzurufen, wenn auch ein paar Tage später. Mein Sohn hat also immerhin kein Spatzenhirn, sondern das einer Lerche. Stellt euch meine Erleichterung vor!

Als kurz darauf das Miniweh mit verschwitzter und verfilzter Haarpracht (Fünfjährige haben mitunter des Nachts wahre Schlachten zu schlagen) an den Tisch stürmt und kräht, dass sich die Familienkatze auf den Badezimmerteppich erbrochen habe (es bediente sich für die Aussage einer anderen Wortwahl, aber immerhin ist das hier mein virtuelles Wohnzimmer, da sprechen wir anständig), lächle ich milde und gehe wischen.

Erste Kratzer erhält die liebevoll-gelassene Glasur meiner Mütterlichkeit am Nachmittag, als ich mit dem Miniweh, welches (natürlich!) über Nacht aus all seinen Pullovern herausgewachsen ist, im Kaufhaus unterwegs bin. Den entzückten Nachwuchs an einem Tisch voller Schneekugeln parkend, greife ich 3 Meter weiter nach den einzigen beiden Pullovern in Größe 116, deren Anblick keinen direkten Augenschaden hervorruft, da gänzlich ohne Neonfarben, Superhelden oder Glitzerpartikel auskommend. Ich drehe mich nach Schneegestöber und Miniweh um und … kein Miniweh mehr da. Ein kurzer, aber umso heftigerer Adrenalinstoß strömt durch meinen Körper, Muskeln spannen sich an, Sinne schärfen sich, meine Atmungsfrequenz nimmt zu. Scheiße, Kind weg! Hektisch fährt mein Kopf links herum und rechts herum.
„MINIWEH! MIIIIINIIIIWEEEEH!!! HIER SPRICHT DEINE MUTTER. KOMM SOFORT ZURÜCK!“

Erste mitleidige Blicke treffen mich, erste Schweißtropfen bilden sich, wo ist das Kind!? Ich irre herum, die Haare wirr, der Blick fahrig. Outdoorjacken, Strumpfhosen, Unser Herbstangebot (lassen Sie es sich nicht entgehen!), erste Weihnachtsmänner, Mützen, Handschuhe, Schals, mittendrin eine schwitzende Mutter, zwei Pullover Größe 116 im Arm. Ich bleibe vor einem Tisch mit unsagbar hässlichen Leggings stehen und rufe erneut nach dem absenten Ehesegen, als eine Verkäuferin mit bedeutungsvoller Geste unter den Tisch deutet.

„Miniweh?“, zische ich, worauf mir als Antwort glockenhelles Gekichere entgegenperlt. Ich schließe kurz die Augen, danke stumm dem Himmel in Form der aufmerksamen Verkäuferin und ziehe den Nachwuchs mit einem energischen Wuschsch unterm Angebotstisch hervor.

„ICH habe DICH die ganze Zeit gesehen! Also deine Füße.“, eröffnet mir das Miniweh und schiebt prophylaktisch die Unterlippe vor. Meine Augen verengen sich zu Schlitzen. „Jetzt pass mal gut auf! … (Der nun folgende Abschnitt wurde drastisch zensiert, da das darin beschriebene Verhalten der überforderten Mutter dem Ehrenkodex gelassener Elternschaft nicht nur nicht gerecht wurde, sondern aufgrund der darin vorkommenden Begrifflichkeiten nahezu einer Verhohnepiepelung desselben gleichkam, Anm. d. A.)                                                                                  

Vielleicht hätte ich es nach dem Erlebnis für heute einfach sein lassen sollen mit der Gute-Mutter-Nummer. Vielleicht hätte ich dem großen Wehwehchen einfach begütigend auf die Schulter klopfen sollen, anstelle gemeinsam einen Lernplan für die in den nächsten 8 Tagen anstehenden drei Arbeiten aufzustellen. Und vielleicht hätte ich einfach auf das Abfragen der lateinischen Stammformen verzichten sollen. So lautet nun die Tagesbilanz: Ein Kind fast verloren, eins am Rande des Nervenzusammenbruchs und ich mittendrin, ein Bollwerk bröckelnder Gelassenheit.

Wie gut, dass ich nun wenigstens die Gewinnerin des Erziehungsratgebers verkünden darf, auf dass sie es besser mache als ich. Unter Zuhilfenahme des fingertippenden Miniwehs gewinnt der Kommentar von Frau Keeboo

Liebe Frau Weh,
auch ich springe mit Freuden in den Lostopf – Gelassenheit und Leichtigkeit sind bei drei eigenen und 20 Schulkindern bestimmt eine gute Sache 😉
Liebe Grüße!

Ein Beweisfoto gibt es auch, aber ich bin zu schwach, um das Handy mit dem PC zu verbinden, man sehe es mir bitte nach. Gelassenheit strengt wirklich ganz schön an.

Liebe Frau Keeboo, bitte melde dich bei mir wegen deiner Adresse, dann schicke ich das Buch schnellstmöglich auf die Reise. Allen anderen vielen Dank für’s Mitmachen und die unterhaltsamen Kommentare. Immer daran denken: Wir sind nicht allein!

Gewürzkuchen

Mascha hat sich in den Kommentaren das Rezept für den Gewürzkuchen gewünscht. Et voilà, hier kommt es schon. Ich backe ihn meist im Brownieblech, dann dauert es nicht so lange und jedes Stück bekommt außerdem mehr Zuckerguss ab. Und was wäre das Leben ohne Zuckerguss? Der bei diesem Rezept auch noch in umwerfend schönem Rosa daherkommt, einem ordentlichen Schluck Schuss Rotwein* sei Dank.

Das Rezept habe ich schon einmal so ähnlich in der Zeitschrift Grundschule veröffentlicht, daher wird darin konsequent gesiezt. Da wir hier aber unter uns sind, dürft ihr euch stattdessen gerne jedesmal ein warmherziges DU vorstellen.

Gewürzschnitten
Heizen Sie den Backofen auf 175° C vor.

Lassen Sie 150 g Schokolade über dem Wasserbad schmelzen. (Ich nehme meistens Zartbitter oder das, was noch von Karneval übrig ist …)

Währenddessen trennen Sie vier Eier und schlagen aus dem Eiweiß Eischnee auf.

Verrühren Sie nun 125 g Fett,

350 g Zucker und

die vier Eigelbe miteinander.

Fügen Sie 320 g Mehl,

1 Päckchen Backpulver

und Gewürze (1 TL Nelkenpulver, 1 EL Zimt, ½ geriebene Muskatnuss; alternativ 2 EL Lebkuchen- oder Glühweingewürz) hinzu.

Gießen Sie die geschmolzene Schokolade zur Masse und rühren Sie mit viel Liebe.

Heben Sie vor-sich-tig den Eischnee unter.

Entscheiden Sie sich je nach Tagesform für Milch oder Rotwein und gießen Sie so viel davon zum Teig, dass eine dickflüssige Masse entsteht. Diese geben Sie entweder in eine flache Form, die Sie zuvor mit Backpapier ausgelegt haben, oder in eine gefettete und mehlbestäubte Kastenform. Die Backzeit variiert je nach gewählter Kuchenform zwischen 45 Minuten (Brownieblech) und 80 Minuten (Kasten). Machen Sie eine Stäbchenprobe und decken Sie den Kuchen mit Alufolie ab, bevor er zu braun wird.

Auf den abgekühlten Kuchen geben Sie einen Guss aus Puderzucker und Rotwein*.

In dieses Rezept kommen weder Nüsse noch Mandeln. Wer das gerne mag, reduziert einfach anteilsmäßig die Mehlmenge.

*Der Rotwein lässt sich gut durch stark aufgebrühten Früchtetee ersetzen, in den man etwas Glühweingewürz mischt.

Viel Spaß beim Nachbacken!

Advent, Advent, die Mutter rennt

Zugegeben verdrießt es mich außerordentlich, dass sich die Bildungsinstitutionen meiner Kinder mit der meinigen verbündet haben und uns drei Wochenenden in Folge mit Weihnachtsbasaren verbauen. Nichts gegen Wohltätigkeitsveranstaltungen! Natürlich backe ich Waffeln für Indien, bastle für Afrika und verziere Plätzchen für Kambodscha. Selbstverständlich spende ich auch 2 Gläser Kirschen, 3 Gläser Marmelade, 1 Trockenkuchen, 1 Packung Puderzucker und 50 Servietten. Von meiner Zeit ganz zu schweigen. Aber warum, warum, warum muss das alles gerade jetzt sein?

Ich liebe den Advent. Fast mehr noch als Weihnachten selber. Und da schon die Woche bei uns mehr als trubelig ist, sind die Wochenenden von unglaublicher Wichtigkeit. Die Wehwehchen schlumpfen in ihren Schlafanzügen umher; mal spielen sie, mal zanken sie. Es gibt laaaange Frühstück und ausgedehnte Sofaeinheiten. Es wird gekuschelt, gelesen und gesungen. Wir backen Kekse, gucken Weihnachtsfilme und trinken Kakao. Adventskalender werden auf ihre möglichen Inhalte hin befühlt und es wird gefachsimpelt, welche Geschenkkombinationen am Heiligen Abend wohl unterm Baum liegen könnten. Kurz: Das Heim ist Herzheimat. Zumindest in der Theorie. Praktisch schiebe ich ja (statt in Wonne und Wohlgefallen meine Kinder zu betrachten und Zimtsterne zu verdrücken) in irgendeiner Schule Doppelschichten am Waffeleisen. Könnte man denn nicht auch einmal, wenigstens ein einziges Mal Rücksicht auf wichtige Familientraditionen nehmen und die ganzen Basare ins Frühjahr legen? Waffeln gehen doch immer!

Ja, mir ist eine Laus über die Leber gelaufen. Eine vorgezogene Weihnachtslaus. Es ist nämlich so, dass der allerwichtigste Tag der kommenden Wochen für mich immer der Samstag vor dem 1. Advent ist. Ich krame dann die Weihnachts CDs heraus, balanciere die große Kiste aus dem Keller, brenne das erste von vielen noch folgenden Räucherkerzchen (Tanne! Bratapfel! Schwarzer Afghane Weihrauch!) ab und vorfreue mich. Und wie gerne ich mich vorfreue! Dieses Jahr fällt dieser immens wichtige Tag aber nun leider aus. Grund siehe oben. Und falls jetzt jemand der Meinung ist, ich könne diese ganzen Vorbereitungen doch auch unter der Woche machen – nein! Das fühlt sich nicht richtig an. Es braucht Zeit, die ich zwischen Kindergarten, Musikschule, Turnhalle und Schreibtisch eben nicht habe. Zack, bumm, Stimmung geht eben nicht.

Also habe ich das unerhörte und bisher noch nie dagewesene Experiment versucht und die Vorbereitungen bei strahlendem Herbstwetter auf den gestrigen Samstag gelegt. Hoho! Jetzt mal raus aus der Komfortzone und was Neues wagen. Zunächst fühlte es sich sonderbar an, gewann aber zunehmend an Substanz und spätestens bei Dean Martin konnte ich mit voller Kehle den ausstehenden Schnee besingen. Wie sagt Olle Hansen so passend? Glück muss man können!

FensterkranzSchweinelampeHexenhaus

Ans Lebkuchenhaus dran durften die verwirrten Wehwehchen trotzdem noch nicht. Sieht zwar aus wie Advent, ist aber noch keiner. Aber, hey, nur noch siebenmal schlafen!

Sind wir nicht alle ein bisschen Bridget?

It starts in my toes, makes me crinkle my nose…

Es ist Ferienzeit und obgleich auf meiner Nase ein vorwitziger Pickel prangt, befinde ich mich in einem Zustand heiterer Gelöstheit. Vielleicht liegt es daran, dass das Miniweh ganz normal in den Kindergarten geht und das größere Wehwehchen ein paar Tage außerhäusig ist, was bedeutet, dass ich ganz wirklich und wahrhaftig FREI habe. Hah, das fühlt sich gut an.

Dennoch flüchte ich am frühen Morgen vor der plötzlichen Stille im Haus zum Einkaufen, um zwischen Süßkartoffeln und Currypaste erste, zarte Pläne zu schmieden. Neben den Dingen, die unbedingt sein müssen, will ich ein paar Bücher lesen, den Inhalt des Gefrierschranks verkochen und mindestens 3 verschiedene Coleslaw-Rezepte ausprobieren bis ich das ultimative gefunden habe (Tipps werden gerne entgegen genommen!). Ich möchte Freunde treffen und Kürbissuppe essen, zum Friseur gehen und endlich für Herbstbepflanzung im Garten sorgen.

Inmitten dieser erfreulichen Gedanken, bemerke ich plötzlich, dass die von uns bevorzugten Nudeln im Angebot sind und greife mir 5 Kilo. Hätte ich mal bloß einen Einkaufswagen genommen. Geradeso erblicke ich über die oberste Packung hinweg eine Etage tiefer einen Ständer mit bordeauxfarbenen Tops. Glückstag, denke ich, danach suche ich schon eine ganze Weile, habe ich da doch ein paar Kleider, deren Ausschnitte rattenscharf nicht wirklich schulangemessen ausfallen. Zufrieden fummele ich mir die passende Größe vom Haken und balanciere meine Errungenschaften zur Kasse. Zuhause angekommen stelle ich fest, dass es sich bei dem Hemdchen um sogenannte Shapewear handelt. (Und ich habe mich schon gewundert, dass es so klein ausfällt. Diese Shapewear ist offensichtlich so gut, dass sie sich selber kleiner schrumpft. Sicher ein beeindruckendes Gütezeichen!) Ich also raus aus den Plünnen, rein in das Wunderteil und vor den Spiegel gehüpft. Was soll ich sagen? Es krinkelt schon wieder bedenklich in meiner Nase – ich sehe aus wie ein Rollmops. Ein bordeauxfarbener Rollmops mit beeindruckend schmaler Taille zwar, aber oben und unten? Rollmops! Und ich kriege Hitzewallungen. Vermutlich verbridgetjonese ich gerade. Aber der Ausschnitt … ja, der ist jetzt wirklich züchtig. Da kann man nichts gegen sagen. Nur was ist mit der Rolle über der Hüfte? Muss das so? Was genau macht Shapewear eigentlich? Masse umverteilen? Masse zusammenpressen? Denn verschwinden kann sie ja nicht einfach so, das widerspricht doch jeglichen Naturgesetzen. Nicht, dass Physik jemals ein Lieblingsfach von mir war, mitnichten. Aber soweit habe ich dann doch aufgepasst.

Mit etwas Mühe knete ich das Röllchen von unten nach oben, zuppele die ganze Angelegenheit noch eine Weile hin und her und – Überraschung! – da ist auch wieder Ausschnitt zu sehen. Und zwar … deutlich mehr davon als sonst. Irgendetwas mache ich hier ganz entschieden falsch. Oder habe ich mangels genauem Hinsehen vielleicht die Oktoberfest-Variante erwischt? Die für die atemberaubenden Kurven? Na, Herr Weh wird sich freuen. Doch mir rinnt die Zeit durch die Finger, das Miniweh muss abgeholt werden. Also werfe ich eine Schicht über das Bollwerk und eile schnellen Schrittes zum Kindergarten. Aha, denke ich, als mir auf halber Strecke die Luft knapp wird, das fühlt sich in der Tat atemberaubend an. Gut, wenn ich da nachher wieder rauskomme.

Im Kindergarten angekommen wirft sich das Miniweh in meine Arme und arbeitet sich sofort neugierig am neu modellierten Körper entlang. „Mama! Was ist denn das!? Du hast da was ganz Komisches!“

„Pschschsch“, antworte ich, mich pikiert umschauend. Muss ja nicht jeder von meiner Mogelwäsche erfahren! Aber zu spät, das Miniweh ist bereits im Informationsmodus und brüllt quer durch den Gang.

„Guck mal, Jason, meine Mama hat da voll die tolle Rolle zum Kuscheln über dem Po!“

Jason nickt anerkennend, während sich die Umstehenden mühsam das Lachen verbeißen.

„Na, probierst du in den Ferien mal was Neues?“, grinsend schiebt sich eine befreundete Mutter näher heran, um meine verunglückte Hüftregion in Augenschein zu nehmen.

„Jaaa“, nicke ich wage um Fassung bemüht, „ich bin mitten in einem wichtigen Marktforschungsprojekt. Es handelt sich um Funktionswäsche für bloßgestellte Mütter. Da ist extra eine Pufferzone eingebaut!“