Im Rückblick betrachtet

Während die Wintersonne vor dem Fenster für Tauwetter sorgt, herrscht am Schreibtisch Eiszeit: Die Zeugnisse müssen geschrieben werden. Und obgleich ich einen guten Zeitplan habe, mangelt es mir dennoch an Einstiegsmotivation. Da kommt mir der Jahresrückblick meiner lieben Freundin Frau Hattifnatte sehr gelegen, den ich umgehend kopieren und ausfüllen werde, um Finger und Denkvermögen wieder ans Laufen zu bringen nach den vergangenen Ferien- und Feiertagen.

Zugenommen oder abgenommen?

Ich bin sehr für Ausgewogenheit, daher habe ich im vergangenen Jahr beides einmal ausprobiert. Unterm Strich starte ich dieses Jahr mit einem Kilo weniger als das letzte. Was bedeutet, dass ich in … Moment … 10 Jahren an Untergewicht leiden werde. Auf den Schreck pflücke ich mir einen Schokokringel vom Baum.

Haare länger oder kürzer?

Kürzer. Das minimiert nicht nur den morgendlichen Aufwand um einiges, sondern lenkt den Fokus so schön auf die Lachfältchen um die Augen. Ich mag ja sowas.

Mehr ausgegeben oder weniger?

Mal so, mal so. Mehr ausgegeben für die Wehwehchen (Kinder sind wirklich ein teures Hobby!), dafür im Rahmen meines Clean teaching-Versuchs deutlich weniger für Unterrichtskram.

Mehr bewegt oder weniger?

Mich persönlich hat einiges bewegt. Ich mich selber allerdings ein bisschen zu wenig, was mir mein Rücken übel genommen hat. Daraufhin habe ich eine mehrwöchige Beziehung zu einem Physiotherapeuten aufgenommen, in der viel geflucht (still) und gelitten (lautstark) wurde. Jetzt ist alles gut und ich beginne und beende den Tag wieder diszipliniert auf einer Turnmatte. Selbstverständlich würde ich jetzt gerne schreiben, dass es sich um eine Yogamatte handelt und ich selber gelassen und gutaussehend darauf das Kamasutra ABC nachturne, dem ist aber nicht so. Ich zeigte es ja bereits an anderer Stelle:

warme SockenDer hirnrissigste Plan?

Knappe vier Wochen nach dem Erlernen eines neuen Instruments einen öffentlichen Auftritt der Drittklässler mit selbigem zu begleiten. Aber sagen wir so, alle hatten ihren Spaß.

Die gefährlichste Unternehmung?

Definitiv der Mutter-Sohn-Tanz auf dem Abschlussball des großen Wehwehchens. Da war Adrenalin im Spiel!

Die teuerste Anschaffung?

Ein … hüstelhüstel … Küchengerät der oberen Preisliga.

Das leckerste Essen?

Oh, ich mochte viel in diesem Jahr. Die große Neuentdeckung ist selbstgemachtes Kimchi nach diesem Rezept. Das klappt super! Ansonsten bleibe ich unserer unaufgeregten Alltagsküche treu, die sich zwischen dem saisonalen Angebot unseres Gemüseabos und Rezepten wie diesen eingependelt hat. Fleisch und Fisch gibt es auch hin und wieder und am Wochenende kommt nach wie vor Kuchen auf den Tisch.

Das beeindruckendste Buch?

Viel Freude bereitete mir der Leitfaden für faule Eltern von Tom Hodgkinson. Ich habe bereits andere Bücher von ihm gelesen und muss sagen, sie gefallen mir ausgesprochen gut, auch oder gerade weil ich so oft anderer Meinung bin. Irgendetwas finde ich immer darin.

Der ergreifendste Film?

Dieses Jahr war ein Serienjahr. Mit Herrn Weh (und nur mit ihm, ganz bestimmt niemals alleine!) bin ich bei The Walking Dead unterwegs. Als Ausgleich schaue ich allein (und nur allein, ganz bestimmt niemals mit Herrn Weh!) Call The Midwife, eine ans Herz gehende Serie über Hebammen im Londoner East End der ausgehenden 50er Jahre. Sehr viel Spaß hatte ich bei Miss Fishers mysteriösen Mordfällen und Family Pieces. Außerdem habe ich mich mit der sechsten Staffel von Downton Abbey verabschiedet und mir das Netflix-Revival der Gilmore Girls zu Gemüte geführt. Ersteres war stimmig, letzteres nicht so.

Die beste CD?

Ich schwanke. Ganz wunderbar finde ich Herrn Wehs Weihnachtsgeschenk, den ersten Soundtrack zu Miss Fishers mysteriösen Mordfällen. Hier einmal zum Reinschnuppern:

Aber auch Götz Alsmann hat mich in den letzten Wochen ziemlich erfreut:

Ich höre sowas ja furchtbar gerne und bekomme sofort gute Laune. Ansonsten habe ich in diesem Jahr wenig Musik gekauft, aber erfreulicherweise sehr viel selber musiziert. War gut!

Die meiste Zeit verbracht mit …?

Arbeit und Familie. So wie die letzten Jahre und vermutlich auch die kommenden.

Die schönste Zeit verbracht mit …?

Klingt es sehr schlimm, wenn ich „mit mir selber“ schreibe? Ich habe mir dieses Jahr bewusst kleine Ruheinseln eingebaut, um mal wieder in mich hineinzuhören, ob noch alles übereinander passt oder ob da Dinge sind, die geändert werden sollten. Das war anfangs befremdlich, wurde aber immer einfacher. Tatsächlich kann ich mich immer noch ziemlich gut leiden.

Vorherrschendes Gefühl 2016?

Alles fließt.

2016 zum ersten Mal getan?

Sauerkraut hergestellt. Eine Whatsapp geschickt. Mit meinem großen Sohn getanzt. Physiotherapie gehabt. In Weimar gewesen*. Auf einer Slackline balanciert.

*Das stimmt eigentlich nicht. Aber ich kann mich kaum ans erste Mal erinnern.

2016 nach langer Zeit wieder getan?

Delfine gesehen.

Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?

Die Rückengeschichte. Langwierig und schmerzhaft.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?

Briefe an meine Eltern zu Weihnachten. Das tat gut.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?

Unerwartet warmherzige und wertschätzende Rückmeldungen von Seiten der Drittklässlereltern in einer schweren Situation.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

„Du bist als Mutter schon ziemlich gut.“

2016 war mit einem Wort …?

lehrreich

So, wunderbar, jetzt kann ich ganz unbeschwert an die Zeugnisse gehen! Oder mir zumindest schon einmal einen Tee kochen. Möglicherweise sauge ich aber auch noch ganz fix mein Arbeitszimmer und lüfte anschließend gut durch. Man weiß ja, wie wichtig das mit dem Sauerstoff ist! Eventuell sollte ich aber doch noch ein paar Vorsätze für das neue Jahr verschriftlichen. Nicht viele, nur so ein, zwei Dinge? Tu ich das jetzt nicht, dann tu ich es nie, ich kenne mich doch! Und ganz sicher findet sich jemand, der sich viel lieber mit meinen Vorsätzen als mit den eigenen Zeugnissen beschäftigen würde. Oder?

Frau Weh war aus

Ich war auf einer Party! Allein diese Tatsache wäre es bereits wert, in einem Beitrag gefeiert zu werden. Aber nicht nur, dass ich dort war, nein, ich wurde auch noch bestens unterhalten!

Anlass:

Ein 50. Geburtstag.

Anwesende:

Die Gastgeberin und neun Gäste. Darunter die unvermeidlichen Lehrer, alle mit Musik als Studienfach, eine Konzertpianistin mit ihrem Gatten und ein paar Freunde unterschiedlichster Berufe und Berufungen.

Ort des Geschehens:

Zwanzig Quadratmeter zwischen Konzertflügel und reichhaltigem Buffet.

Ein Auszug:

Ich unterhalte mich ganz zwanglos mit der Konzertpianistin über die beengte Raumsituation in unserer Schule und schildere, dass alle Aktivitäten, die außer der Reihe stattfinden, in den Musikraum gelegt werden: Elternabende, Anmeldungstermine, der Besuch des Schulzahnarztes. Da erwacht ihr zuvor völlig regungsloser Gatte plötzlich zum Leben und ruft:

„Ich bin auch Schulzahnarzt! Ich bin auch Schulzahnarzt!“

„Ach!“, entgegne ich ein wenig erschreckt ob des plötzlichen Zuspruchs.

„Jaaaa!“, erwidert der Zahnarzt enthusiastisch, „Welcher Kollege kommt denn immer zu euch?“

Ich überlege. „Hmm, so ein Netter mit schwierigem Namen.“ Ich kann mir Nachnamen wirklich schlecht merken. Aber der Zahnarzt ist schon mit Vorschlägen zur Stelle:

„Herr Yildirim? Herr Montblanc? Herr Prämolar?“

„Ja“, sage ich, „Herr Prämolar!“

Sofort gerät der Zahnarzt ins Schwärmen: „Oh, der ist super! Der ist sogar Vorsitzender unserer schulzahnärztlichen Gesellschaft.“

Was es nicht alles gibt!

„Und da trefft ihr euch regelmäßig?“, frage ich höflich und stelle mir einen Haufen Zahnmediziner beim leidenschaftlichen Austausch über den Zustand kariöser Gebisse vor. Es will mir nicht recht gelingen.

„Genau. Und dabei besprechen wir aktuelle Forschungstendenzen und Entwicklungen. Wir haben sogar eine eigene Zeitschrift, das MbdGfschE und Forschung!“, erklärt mir mein Gegenüber bereitwillig.

„Das Md … Bee …?“, hake ich nach. Abkürzungen kann ich mir noch schlechter merken als Nachnamen. Eigentlich kann ich mir recht wenig merken, wenn ich so drüber nachdenke.

„Ja, das MbdGfschE und Forschung! Monatsblatt der Gesellschaft für schulzahnärztliche Entwicklung und Forschung! Da ist der Herr Prämolar Herausgeber, der hat es wirklich drauf! Also ehrlich, so ein Tausendsassa!“

Ich schaue mich verstohlen zur Konzertpianistin um, die die Ausführungen des Gatten genutzt und sich zum Nachtisch geschlichen hat. Zwischen Mousse au chocolat und Brownies macht sie nicht den Eindruck, als käme sie so bald zurück. „Jaaa“, nehme ich das Gespräch wieder auf, „der Herr Prämolar wirkt auch immer sehr kompetent!“ Prompt ergeht sich mein Gesprächspartner schwärmerisch in den vielen Vorzügen unseres Herrn Prämolars, der seine E-Mails mal um 5.30 Uhr in der Früh, dann wieder um 00.15 Uhr in der Nacht schickt. Ein von der Arbeit Getriebener ohne Schlafbedürfnis offenbar. Seine letzte Veröffentlichung war – hassenichgesehn! – 450 Seiten lang! Die musste auf mehrere Ausgaben der Zeitschrift verteilt werden, so lang war die! Ich meine, wir finden Herrn Prämolar alle nett, aber ich hatte ja keine Ahnung! Der eruptive, kollegiale Gefühlsausbruch ängstigt mich etwas. Gerade überlege ich, wie ich mich unverfänglich und ohne mein Gegenüber zu kränken der vielversprechenden Nachbarunterhaltung zuwenden kann, die sich darum dreht, ob regional das neue bio ist und was das mit uns macht, da rückt der Zahnarzt verschwörerisch zu mir herüber und raunt mir ins Ohr: „Wie macht es denn der Herr Prämolar so?“

„Bitte!?“

Ich schaue mich hilfesuchend zum Nachtischbuffet um, aber dort ist niemand mehr, die Konzertpianistin muss den günstigen Moment genutzt haben und auf’s stille Örtchen entfleucht sein.

„Wie untersucht der Herr Prämolar denn? Da gibt es ganz unterschiedliche Methoden. Von vorne oder von der Seite.“

„Ach so“, sage ich etwas zerstreut. „Von hinten.“

„Was!?? Der Schlingel! Wie macht er das denn?“ Der Zahnarzt scheint ganz aufgeregt ob der Herangehensweise seines Kollegen.

„Ja, also, das Kind sitzt auf dem Stuhl vor ihm und legt den Kopf in den Nacken.“ Ich lege den Kopf in den Nacken und öffne den Mund. „Gang gaut er halt go in gen Gung.“ Ich schließe den Mund und setze mich wieder aufrecht. Mein Gesprächspartner scheint es nicht fassen zu können.

„Nein, wirklich!?“

Ich schweige. Mir ist nicht ganz klar, was an der Vorgehensweise unseres Herrn Prämolar so revolutionär sein soll. Da schaltet sich ein älterer Gymnasialkollege ein: „Das geht aber auffe Dauer auffen Rücken!“

„Genau! Bei jedem anderen wäre das so. Aber der Herr Prämolar, der kann das ab, der trainiert immer!“

Bestätigend und wild mit den Augen rollend nickt uns der Zahnarzt zu. Ich denke an einen hantelstemmenden, schwitzenden Herrn Prämolar mit nacktem Oberkörper. Eigentlich möchte ich jetzt wirklich gerne Nachtisch, kann aber nicht aufstehen, weil sich unser Gesprächspartner nun die Klavierbank greift, mir mit selbiger den Weg Richtung Dessert versperrt, sich rittlings darauf niederlässt (auf der Klavierbank, nicht auf dem Nachtisch) und verkündet, dass er uns nun einmal zeigen wolle, wie er selber Untersuchungen abzuhalten pflege. In den folgenden Minuten bekommen der Gymnasialkollege und ich mehre Positionsmöglichkeiten der zahnärztlichen Kontrolluntersuchung pantomimisch vorgeführt. Endlich betritt die Konzertpianistin den Raum, nickt wissend, als sie ihren Mann wild herumfuchteln sieht und meint mitfühlend zu mir: „Ist er schon beim Einsatz der Instrumente?“

„Ahh, apropos Instrumente …“, greife ich nicht sehr galant nach dem Stichwort, „ich möchte unbedingt noch etwas vom Nachtisch, bevor es ans Musizieren geht!“, und quetsche mich fluchtartig zwischen Flügel und Zahnarzt Richtung Buffet.

Der Zahnarzt, noch ganz erschöpft von seiner eindrücklichen Darbietung, schiebt die Klavierbank zurück an den Flügel und folgt mir. „Der Herr Prämolar, der spielt auch noch super Gitarre! Ich hab‘ den da mal spielen hören …!“

Platsch.

Hoppla, jetzt ist mein Kopf ganz von alleine ins Tiramisu gefallen.

und wieder Fast Food

Zwischen Elternsprechtag und Mathearbeit hier ein weiteres schnelles Essen aus der Kategorie bunt und gesund:

FitnessburgerDas hier ist wirklich ganz schnelle Küche. Keine fünf Minuten und trotzdem alles drin, was gut ist. Familientauglich ist das auch. Man muss die Kinder nur selber belegen lassen und das ganze als Familienburger bezeichnen. Man nehme Körnerbrötchen nach Wahl, türme pflanzlichen Aufstrich (hier wird gerne alles mit Curry gegessen), je nach Vorliebe ein magisches F (Falafel, Fischstäbchen oder Frikadellen), eingelegte Tomaten und ein paar Blättchen Salat aufeinander, klappe das Ganze zu und freue sich daran. Aufgemotzt werden kann das belegte Brötchen (denn um nichts anderes handelt es sich ja nun einmal) mit Salat, Tomaten, Gurken oder anderem Grünzeug. Die Wehwehchen packen sich gerne noch eine Scheibe Käse mit drauf. Herr Weh bevorzugt Feta und ich esse das jetzt GANZ GENAU SO! Lecker.

Guglst du schon?

Es mag ja Menschen geben, die behaupten, ein Gugelhupf sei bei diesen Temperaturen keine Option.

Natürlich haben sie Unrecht.

GugelhupfDen Napfkuchen gibt es schon deutlich länger als die gleichklingende Suchmaschine. Allerdings ist sie äußerst hilfreich, wenn man sich über die Entstehung desselben bemühen möchte. Ihr könnt diesen Schritt jetzt gerne auslassen, ich hab da schon was vorbereitet: Der Legende nach geht der Gugelhupf auf die Heiligen Drei Könige zurück, die auf dem Rückweg ihres christkindlichen Antrittsbesuchs so herzliche Aufnahme im Elsass fanden, dass sie ihren Gastgebern als Dank einen Hefekuchen in Turbanform buken. Mein Rezept kommt – und hier schlage ich dann wieder die Brücke zum Wetter – heute lieber ohne Hefe aus und hat daher mit dem klassischen Gugl nur noch die Form gemein. Kann man trotzdem gut essen. Schon der Teig ist so ungemein lecker, dass man Kinder und Ehemänner möglichst fernhalten sollte. Nicht auszudenken, würde einer seine Pfoten vor lauter unbeherrschter Gier in die Rührschüssel halten. Das wäre es dann mit der sonntäglichen Ruhe! Also, Familie aussperren und erst wieder Einlass gewähren, wenn der Kuchen im Ofen und die Schüssel bereit zum Ausschlecken ist. Besser ist das!

Ein guter Gugl (beachtet bitte wohlwollend die attraktive Alliteration gu Gu) braucht Zeit. Daher ist er  geradezu prädestiniert für einen Ferienkuchen. Er braucht lange im Ofen und mindestens noch einmal so viel Zeit zum Auskühlen, bis man ihn ganz zart und möglichst aus einem Stück aus der Form tätscheln darf. Aber ich kann nur sagen, der Aufwand lohnt.

Joghurt – Gugelhupf mit Apfelmus

180 g Margarine

320 g Zucker (Ich mische weißen und braunen. Warum auch immer.)

3 Eier

gemahlene Vanille

350 g Apfelmus

175 g Vanillejoghurt (Wenn ihr es weniger süß mögt, empfehle ich Naturjoghurt.)

340 g Mehl

50 g gemahlene Mandeln

2, 5 TL Backpulver

1 TL Natron

2 TL Zimt

eine Prise Salz

Den Backofen auf 180 ° C vorheizen. Eine Gugelhupfform (akribisch! Zu wenig Einsatz rächt sich später!) fetten und mehlen. Die trockenen Zutaten in einer Schüssel mischen. Butter, Zucker, Eier in einer zweiten Schüssel verrühren. Vanille, Apfelmus und Joghurt dazugeben. Die Mehlmischung einrühren und gut drei Minuten lang zu einem flüssigen Teig rühren. Alles in die Form gießen und dann für mindestens 60 Minuten (mein Ofen lässt sich rund 70 Minuten Zeit, Stäbchenprobe!) ab in die Wärme.

Der fertige Gugl kommt ganz bescheiden mit einer leichten Puderzuckerbestäubung aus, darf aber natürlich auch nach Belieben mit Vanilleeis oder Sahne gepimpt werden. Das wäre dann sozusagen ein Gugl-Upgrade. Lasst es euch schmecken!

 

Sommerlochgedanken

Ich übe mich in Ferien und nehme mit Erstaunen wahr, dass die erste Woche schon vorbeigeweht ist wie das laue Lüftchen, das Abkühlung verspricht, und doch nur minimale Erleichterung bringt. Dabei ist meine Planung gut, die ersten drei Wochen verbringe ich mit Nach- und Vorbereitung und dann lege ich – zack – den Schalter um und mache mich ganz frei von schulischen Belangen. (Ahahahahahahahahaha! Ha! HA!!!) Noch spielen auch alle mit. Herr Weh geht arbeiten und die Wehwehchen verbringen ihre Zeit in Kindergarten und Zeltlager. Auch die Schulleitung ist an effektiven Arbeitstreffen interessiert und versorgt die in ihrer unterrichtsfreien Zeit (so übrigens die offizielle Bezeichnung für unsere vielen, vielen Ferienwochen) anwesenden Kolleginnen wahlweise mit Kuchen, Brötchen und lobenden Worten, während Stundenplanentwürfe entworfen und Vertretungskonzepte konzipiert werden.

Jetzt ist es wirklich rum, das erste Jahr an der (gar nicht mehr) neuen Schule. Schnell ging es! Ich habe viel gearbeitet und mich an der Quadratur des Kreises versucht, immer wieder den Blick offen und die Lernbedürfnisse aller im Blick zu halten. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit bei so vielen Kindern. Dabei noch aufmerksam zu bleiben für die Dinge, die ihre Ursache außerhalb des Klassenzimmers haben, und zudem noch aus 31 Individuen eine Gruppe zu formen. Wellness!

„Ach, Sie haben es gut, Sie haben jetzt Ferien!“, seufzt mir eine Mutter am letzten Schultag entgegen. Ich lache laut und nicke. Recht hat sie, ich habe es wirklich gut. Ich habe eine feste, unbefristete Arbeit. Zwar keine mit andauernder Erfolgsgarantie, aber eine mit ständigen Chancen und voller Möglichkeiten. Eine, die mir zwar in regelmäßigen Abständen Ärger und gelegentlich auch Herzrasen und unschöne rote Flecken im Dekolleté beschert, aber auch ein schier unerschöpfliches Reservoir an Wohlwollen und Erfolgserlebnissen. Ich fühle mich als Gärtner und manches, was ich anlege, wird, wenn es aufgeht, noch Bestand haben lange nach meiner Zeit. Hey, wie schön ist das denn!?

„Ich vermisse dich vielleicht bestimmt!“, murmelt Ramon, als das letzte Lied gesungen und der letzte Schnipsel vom Boden geräumt ist. Ich tue das, was ich so häufig mache, ich öffne die Arme und er stiehlt sich hinein in eine Umarmung, die frei ist von all den Störungen, Ärgernissen und Enttäuschungen der letzten Wochen. Frei von Versagensängsten und Überforderung, die mir zuverlässige Begleiter sind. Wenn ich mich und mein Lehrersein betrachte, dann ist es diese Fähigkeit, auf die ich vertraue, und die mich neben allen Schwächen, die ich habe, und Fehlern, die ich begehe, befähigt eine gute Lehrerpersönlichkeit zu sein: Ich kann Kinder annehmen. Egal, was sie mitbringen. Irgendwo findet sich schon ein Plätzchen für sie.

(Und gelegentlich auch ein Keks.)

„Geht’s vielleicht auch eine Nummer bescheidener?“, zieht Marten mich auf, als ich von dieser Erkenntnis berichte.

„Nein“, antworte ich entschieden, „das ist meine persönliche Kernkompetenz, da stehe ich zu! Es ist wichtig, dass auch und gerade Lehrer ein positives Selbstbewusstsein ausstrahlen.“ Ich nippe an meinem Glas und grinse. „Und was kannst du überhaupt?“

Marten, der sich geduldig meine schulischen Schilderungen angehört hat und die nächsten Wochen durchs Périgord wandern wird, setzt eine gewichtige Miene auf und antwortet mit salbungsvoller Stimme:

Ich kann Ferien!“

Touché.

Blau machen

Der Farbe Blau wird ja gemeinhin eine beruhigende Wirkung zugeschrieben. Ich kann mich dem nur bedingt anschließen, waren doch vor einiger Zeit die Kinderzimmer im Hause Weh blau gestrichen. Half auch nichts. Dennoch kann ich mich dem Zauber dieser Farbe nicht komplett entziehen, besonders dann nicht, wenn sie auf Muster trifft. Muster finde ich gut! Somit war ich hin und weg, als ich vor Kurzem auf einer französischen Seite einem Stempelset historischer Fliesenmuster begegnete. Nun ist mein Schulfranzösisch bereits ziemlich angestaubt, allerdigs werde ich wohl – den ausgiebigen Exercises im Lehrbuch sei Dank – auch in hundert Jahren noch ein Croque Monsieur bestellen können. PaketUnd so groß kann der Unterschied im Bestellvorgang zwischen belegten Brötchen und Bastelzubehör doch wohl nicht sein, ne c’est pas? Gesagt, getan. So drückte mir eine knappe Woche später unser Nachbar mit leicht verkniffenen Gesichtszügen ein Paket in die Hand, in dem der Arme ganz offensichtlich mangels entsprechender Sprachkenntnisse französische Damenhygiene vermutete. Und dann tat ich, was ihr mir in euren so wohltuenden Kommentaren geraten habt:

Ich habe blau gemacht.

Stempelset historische Fliesen

Stempelkarten

Stempelkarte

Dabei fiel mir auf, dass es alles andere als leicht ist, das Muster exakt aneinander zu reihen. Da habe ich noch Übungsbedarf. Aber da der Vorgang derart meditativ und entspannend ist, ist das genau das Richtige für mich. Es ist wohl klar, welcher Art die nächsten Geburtstagskarten aus dem Hause Weh sein werden?

Schneeflocken Fliesen

Guckt mal die reizende Schneeflocke, die (theoretisch zumindest) entsteht, wenn man einigermaßen akkurat arbeiten würde. Ich bin hin und weg! Vielleicht hilft eine Linealkonstruktion?

Stempel FliesenDas Schöne ist, dass man zunächst noch gar nicht weiß, welches Muster sich aus der Reihung der Abdrucke ergibt. Eins schöner als das andere! Sogar die späten Siebziger wurden nicht vergessen. Das rechte erinnert mich ganz stark an meine erste Kinderzimmertapete. Allerdings war die in Orangebraun gehalten. Tja, meine Eltern waren richtig modern!

Stempel MusterHergestellt werden die Stempel übrigens von total neurotischen Parisern, was sie gleich noch einmal so toll macht.

Ob ihr diesen wunderbaren Tag nun blau macht oder nicht, sei euch überlassen. ich schwelge noch ein bisschen in meiner neuen Errungenschaft und wünsche euch einen guten Start, wenn es denn wieder losgeht.

Bleibt blau! 😉

 

 

 

 

Bloggerischer Müßiggang

Ich werde noch zum Quartalsblogger. Doch was soll ich sagen? Das Leben tobt um mich herum und die Tatsache, dass es nun knapp 7 Wochen bis zu den Sommerferien sind, trägt auch nicht gerade zur Tiefenentspannung bei. (Was allerdings definitiv entspannend gewirkt hat, waren die vier Staffeln The Good Wife, die ich mir in den letzten – hüstelhüstel –  zwei drei Wochen reingezogen habe wie die Tour de France Epo. Leider nicht ganz folgenlos, auf das gelbe Trikot muss ich wohl verzichten. An dieser Stelle daher eine ganz offizielle Stellungnahme: Lieber Herr Weh, es tut mir leid, dass ich in den letzten 80 Folgen nicht ansprechbar war und immer sofort auf Pause gedrückt habe, wenn du das Wohnzimmer betreten hast. Ich werde mich bestimmt bessern und die fünfte Staffel noch ein wenig herauszögern. Auch wenn es weh tut. Arghs!)

Im Gegensatz zur Vernachlässigung im häuslichen Bereich (Küchenboden! Fenster! Eheleben! Kindererziehung!) bin ich immerhin mit den Erstklässlern gut im Zeitplan, sodass uns die anstehenden Brückenwochenenden hoffentlich nicht das Genick brechen. Nach wie vor kämpfen wir gegen Läuse und den Zehnerübergang. Wo gegen das eine der großzügige Einsatz von Jacutin wirkt, hilft beim anderen leider nur Üben, Üben, Üben. Vor einer Woche haben wir den ersten richtigen Ausflug gewagt und ich muss es wiederholen: 30 Kinder sind wirklich mehr als 20. Da zählt man sich dusselig bei. Überhaupt sehen spielende Erstklässler alle gleich aus, da muss man wirklich aufpassen, dass man am Schluss die richtigen einsammelt. Und komme mir jetzt niemand mit der Anfertigung spezieller Kappen, Warnwesten oder Armbändchen! Auf dem Laga-Gelände wuselten so dermaßen viele Neonfarben herum, dass es mir selbst mit Sonnenbrille bei längerer Betrachtung blümerant wurde. Es tut einfach weh bei Sonnenschein stundenlang auf reflektorbesetzte Warnwesten zu starren.

Ansonsten geht es mir tatsächlich ziemlich gut. (Was mich eigentlich so kurz vor den Zeugnissen stutzig machen sollte, aber damit beschäftige ich mich am nächsten Wochenende.) Ich könnte euch erzählen, dass es mich ganz kribbelig vor Glück macht, wenn ich das Miniweh glucksend und freiheitsjauchzend fahrradfahren sehe. Es trägt dabei so einen lustigen, knubbeligen Helm, der es aussehen lässt wie ein Osterei auf Beinchen und dreht unermüdlich Runde um Runde. Oder ich könnte darüber schreiben, dass ich in der vergangenen Woche in der Küche lauter Dinge zum ersten Mal zubereitet habe: Gemüsetörtchen, eine Riesenfrühlingsrolle, gefüllte Champignons und einen Schokokuchen mit roter Bete. (Nein, die Wehwehchen mochten nicht alles. Aber die wehsche Küche untersteht weniger didaktischen als diktatorischen Regeln, also friss oder stirb!)

Wir waren im Völkerkundemuseum. Hochspannend! Ich bin ja Fan von museumspädagogischen Ansätzen. Sobald es Schubladen zum Öffnen oder Dinge zum Auf- und Umklappen gibt, bin ich am Start. Manchmal erwische ich mich dabei, dass ich die Vermittlung weitaus spannender finde als die Inhalte. Didaktisch gesehen ist sowas ja pfui. Doppelpfui! Weitaus lehrreicher war da der Besuch im Tierpark. Oder wusstet ihr, wie ein Pfauenmännchen unter dem ganzen Putz und Pomp aussieht?

Pfau von vorneEin „Ich zeig euch jetzt mal, was ich habe“ – Pfauenmännchen von vorne

Pfau von hinten… und von hinten. Merke: Alles hat eine Kehrseite.

Kinderhaben hat ja zum Glück keine fast keine kaum Kehrseiten. Das große Wehwehchen befindet sich mitten im pubertären Umbau, was uns Eltern manchmal völlig fassungslos danebenstehen lässt. Was passiert da bloß mit den ganzen Synapsen? Streiken die? Sind die überhaupt gewerkschaftlich organisiert? Und wo, bitte, können da noch ein paar Lateinvokabeln andocken? Vielleicht wünsche ich mir das morgen zum Muttertag: Vokabelüben ohne Gemotze. Oh, was wäre das schön! Muttertag finde ich übrigens blöd. Habe ich jeden Tag und Blumen kaufe ich mir selber. Ätsch. Trotzdem wünsche ich euch einen schönen, so ihr ihn denn feiert! Wir werden ins Grüne fahren  – ganz ohne kulinarische Experimente, dafür zur Freude der Kinder mit anschließendem Besuch eines Fastfoodriesen. Ohne Wehwehchen wäre schließlich kein Muttertag. Nicht wahr?

Euch allen eine frühlingsblaue Woche mit Momenten zum Lächeln und Staunen!

-lichst Frau Weh