Tove Janssons Einfluss auf die kuschelpaedagogik

Ihr seid ja lustig 🙂

Aber hier, zur Erläuterung.

Auszug aus dem Muministischen Lexikon:

Hatifnatten: in manchen deutschen Übersetzungen auch »Hattifnatten« (mit zwei t); massenhaft auftretende Spezies mit nomadischer Lebensweise. Die Individuen gleichen kleinen Gespenstern oder weißen Morcheln, mit flossenartigen Händen (?) direkt an den Seiten des Körpers; zum Fußende hin wird ihre Gestalt immer undeutlicher. Ihre Augen sind stets auf den Horizont gerichtet und nehmen die Farbe des Himmels an. Hör- und Geruchssinn fehlen ebenso wie eine Stimme. Untereinander verständigen sie sich anscheinend allein im Einvernehmen, das ihnen durch ihre Natur vorgegeben ist. [Es] wird berichtet, dass sie aus »Saat« entsprießen; da sie aber eindeutig keine Pflanzen sind, könnte es sich dabei eher um Eier oder Larven handeln. Sie sind in Gruppen von stets ungerader Zahl unterwegs, um sich bei schweren Gewittern zu versammeln, deren elektrische Ladung ihnen das Gefühl größerer Lebendigkeit vermittelt. Sie sind auch in der Lage, kleine Boote zu steuern. In diesen nehmen sie hin und wieder auch Fahrgäste mit (wie z. B. Teile der Muminfamilie […]), freilich ohne sich weiter um diese zu kümmern.

Kleine My: auch kleine Mü (ältere Übersetzungen); winzigkleine Schwester der Mymla. In den Büchern von großer Wichtigkeit; wie bei allen Mymlas wirkt auch ihr Verhalten egoismusgeprägt, doch kommen bei der kleinen My Intelligenz sowie Lust an Anarchie und Katastrophen hinzu. Sie durchschaut jede Lage und jedes Problem anderer Leute sofort, mischt sich aber nicht hinein.                             

Eindeutig die tollste Figur bei den Mumins. Und jetzt geh ich kochen.

Advertisements

DaSCHtin

DaSCHtin ist ein ehemaliger Schüler von mir. Gelegentlich treffe ich ihn auf der Straße, wenn er mit seinen Kumpels und einem Kasten Bier zum örtlichen Spielplatz geht, um sich zu langweilen chillen abzuhängen ach, was weiß ich, was die da genau treiben.

DaSCHtin trug vor einigen Jahren eine feste Zahnspange und war ein wirklich reizender Drittklässler. Durch die Zahnspange hatte er einen leichten SCHpraCHfehler. Bei allen S-Lauten SCHprühte DaSCHtin SCHpucketröpCHen. Aber er war ein so herziges Kerlchen, das war kein Problem.

Eines Tages fühlte ich während der Pausenaufsicht plötzlich, wie sich eine Kinderhand in meine schob. Ich schaute runter und erblickte DaSCHtin.

DaSCHtin (Leuchteäuglein, seeliges Lächeln): „ISCHCH liebe diCHSCH, Frau Weh!“

Oh, wie niedlich! Da geht das Referendarinnenherz auf (nie wieder wird das Gefühl von den Kindern gemocht zu werden so wichtig sein wie im Referendariat!) und rosa Wölkchen tanzen auf und nieder. Ich strahle also zurück und antworte – und ich schwöre, es rutscht mir einfach so raus:

„ISCHCH diCHSCH auch, DaSCHtin!“

UpSCH.

Sexualerziehung

Referendariat. Sexualerziehung, 2. Schuljahr. (Frau Weh ist zu diesem Zeitpunkt praktischerweise hochschwanger und darf gerne die komplette Reihe übernehmen.)

Behutsam erkläre ich die notwendigen Fakten.

Lena (völlig verdattert vom eben Erfahrenen): „Frau Weh, hattest du schon mal Sex!?“

Ich (geschätzter Bauchumfang ca. 105cm): „Öhm, ja, schon, Lena.“

Lena (beruhigt): „Na, dann kann das ja nicht so schlimm sein.“

Schweineblasen Teil II

Am nächsten Morgen habe ich einen gepflegten Kater. Also beschließe ich statt des Frühstück lieber eine Kopfschmerztablette und eine Ladung Magnesium zu mir zu nehmen. Vor der Badezimmertüre – ich erwähnte, dass es ein heißer, wirklich heißer Sommer war? – höre ich ein eigentümliches Summen. Seltsam. Ich öffne die Türe, das Summen schwillt an und…!

Wie soll ich ihn bloß beschreiben, den unermesslichen Ekel, den ich empfinde, angesichts der Millionen-, achwas, Milliardenschaft an Schmeißfliegen, die an jedem einzelnen Schweineblasenballon hängen? In Trauben kleben sie übereinander, bohren ihre vibrierenden Hinterleiber zur Eiablage in die weichen Hüllen. Ich kämpfe gegen den Drang mich auf der Stelle übergeben zu müssen, verlasse das Bad rückwärts, knalle die Türe zu und lasse mich kraftlos an der geschlossenen Türe herabsinken. Ich kann nicht mehr. Ich möchte heulen, mich übergeben, schreien. Alles gleichzeitig.

Lucilia sericata ist ein wirklich hübscher Name für ein solch mieses Geschöpf. Scheißschmeißfliegen! Haben die überhaupt eine Ahnung davon, was ich seit gestern erlebt habe? Sollte das alles umsonst gewesen sein? Heiße Tränen der Erschöpfung und Empörung rinnen meine Wangen herunter. So leicht lasse ich mich nicht unterkriegen. Nicht von einem Insekt!

Ich hole mir die rosafarbenen Gummihandschuhe aus der Schublade und binde mir ein Küchentuch („Enjoy cooking!“) um den Mund. Im Schlafzimmerschrank finde ich eine alte Taucherbrille und eine noch fast volle Flasche Haarspray. Dann nehme ich mir ein Feuerzeug und mache mich auf den Weg. Ich bin ganz alleine auf mich gestellt. Eine neue Spezies hat die Menschheit ausgerottet und einzig ich habe überlebt. Aber ich bin nicht bereit kampflos in den Tod zu gehen. Oh nein! Ich nicht! Gedanken an Kafka und einen blut- und dreckverschmierten Bruce Willis schießen mir durch den Kopf als ich erneut ins Badezimmer trete. Auge in Facettenauge mit dem Feind. Dann eröffne ich das Feuer.

Das Inferno ist unbeschreiblich. Der Geruch vebrannter – ja was eigentlich? – ist eine olfaktorische Beleidigung und schlägt mir trotz Tuch grob in die Nase. Ob es an den eingeatmeten Dämpfen liegt, am Adrenalin oder der schieren Verzweiflung, die meine Sinne benebelt, ich habe das Gefühl die Milliardenschaft der Scheißfliegen explodiert, nur um sich dann mit aggressivem Brummen zu einem einzigen Organismus zusammenzufügen. Es geht um Leben oder Tod. Ich bin bereit zum Äußersten. Die Fliegen auch. Sie wollen mich im Kollektiv vernichten. Fliegen mir in die Ohren, in die Haare und ins T-Shirt. Ich brülle. Ich schreie. Ich werfe Flammen.

„Nehmt das! Und das! Und das auch noch, ihr Scheißbiester!“

Mit zwei Sätzen bin ich beim gekippten Fenster angekommen und reiße es auf. Es dauert eine ganze Weile bis die Überlebenden den rettenden Ausweg gefunden haben, noch länger dauert die Beseitigung der Abertausend Leichen an. Mir klebt der Schweiß auf der Stirn, aber ich habe gesiegt. Ich habe meine Schweineblasen unter Einsatz meines Lebens verteidigt gegen eine Übermacht gefräßiger eierlegender Gegner.

Mit gehetztem, irrem Blick tätschle ich liebevoll über die Ballons („mein Schatzzzz, mein Liebesssss, mein Eigen!“)

Ich schließe das Fenster und verlasse ermattet das Badezimmer. Im Schlafzimmer falle ich aufs Bett und sinke fast augenblicklich in einen unruhigen Schlaf (schließlich ist da ja auch noch der Kater, der lautstark sein Recht auf Erholung einfordert). Als ich später am Tag aufwache, laufe ich sofort zur Badezimmertüre, ängstlich auf jedes Geräusch achtend. Aber nichts ist zu hören. Ich öffne die Türe. Dort hängen sie, meine Ballons, unversehrt!

Aber Halt, was ist das?

Ich trete näher und erkenne auf mehreren Ballons ein rosafarbenes Gewimmel. Die ersten Maden sind geschlüpft und fressen sich durch die Hüllen. Die Larven der Lucilia werden auch als Pinky Maden bezeichnet und sind sehr begehrte Angelköder. Keimfreie Maden werden schon lange erfolgreich in der Wundtherapie eingesetzt. Sind Schweineblasen, die im Hochsommer in einem Badezimmer aufgehängt werden, keimfrei? Wirre Gedanken schießen durch mein Hirn während ich fassungs- und tatenlos dem Gewimmel zusehe. Meine Kraft ist verbraucht.

Wie formuliert Jeff Goldblum als Chaostheoretiker Malcom in Jurassic Parc so treffend: „Das Leben findet einen Weg!“ Ich kapituliere vor der Natur, hole ein Messer, lasse ganz ruhig die Luft aus den Schweineblasenballons und tüte alles in zwei blaue Müllsäcke ein. Bis zum Abend putze ich das Badezimmer. Immer und immer wieder. Bei Anbruch der Dunkelheit lade ich die Müllsäcke ins Auto, hole auch noch die gestrigen Überreste aus der Tonne und fahre kilometerweit bis auf einen dunklen Autobahnparkplatz. Dort entledige ich mich der tierischen Überreste und mache mich auf den Heimweg. Nachts träume ich vom Friedhof der Kuscheltiere.

Ich habe die Trommeln dann mit Butterbrotpapier und Kleister angefertigt. Der Klang war ganz passabel. Den Schlachthof habe ich nie wieder betreten.

Schweineblasen Teil I

Heute bekam ich eine E-Mail einer ehemaligen Lehramtsanwärterin. Sie schrieb wie froh sie über die Ferien wäre und wie überraschend anstrengend der Übergang vom Referendariat in die erste richtige Stelle sei. „Früher hatte ich noch so richtig Zeit, um meine Stunden zu planen, das geht jetzt gar nicht mehr.“, klagte sie mir ihr Leid. Ja, so ist das. Bei 28 Stunden kann man sich nicht mehr den Luxus erlauben länger als nötig darüber nachzugrübeln, ob in der einen Stunde als Sozialform Partner- oder Gruppenarbeit vorzuziehen sei und in einer anderen auf ein Schmuckblatt mit einfacher oder lieber mit Kontrastlineatur geschrieben werden soll.

Das weckt Erinnerungen ans eigene Referendariat. Natürlich ist Musik das schönste aller Fächer. Selbstredend beinhaltet ein guter Musikunterricht viele Elemente. Und selbstverständlich reagiert man als LAA verschnupft auf die interessierten Fragen des Kollegiums, was man denn außer Singen noch so mache in den Stunden. Also überlegt man sich für das nächste Schulfest eine besondere Darbietung: wir trommeln! Und zwar richtig, nicht so ein Kokolores wie das fußballherrliche dam dam dadadam, dadadada da dammm, sondern richtige Rhythmen. Afrika! Südamerika! Samba!!! Natürlich auf selbstgebauten Trommeln, man weiß ja, authentische Erfahrungen, sinnliches Arbeiten, fächerübergreifend und handlungsorientiert. Alles so wichtig!

Gesagt, getan. Aus finanziellen Gründen suche ich notgedrungen nach alternativen Bauelementen. In einem großen Teppichhandel erstehe ich Teppichrollen, die – mühsam per Hand auf 30 Stück abgesägt – den Trommelkorpus bilden werden. Aber was nun als Bespannung nehmen? Felle scheiden aus, zu teuer. Aber Schweineblasen müssten gehen. Da reicht eine für zwei Trommeln. Die gibt es im Schlachthof umsonst. Man muss da nur anrufen und vorbeifahren. Klingt einfach, oder? Ist es aber nicht.

Ich komme im Schlachthof an. Es ist Sommer, Hitze wabert über dem Pflaster, ein eigentümlicher Geruch liegt in der Luft. Ich klingele und werde in eine Schleuse geführt, in der ich mir eine Ganzkörperplastiktüte überstülpen muss. Oh. Also eigentlich dachte ich, ich bekäme nur ein Paket in die Hand gedrückt…? Nein, ich muss da rein. Wer Schweineblasen will, muss sie sich selber abholen. Einsam stehe ich auf einem weiß gekachelten Flur. An einer Leine über mir sausen Schweinehälften vorbei. Von links nach rechts.

Ich (verzagt): „Ähm… hallo?“

Ssssst, wieder eine. Seltsame Gefühle steigen in mir auf. Mir ist ein wenig blümerant. Trotz der recht kühlen Temperatur verspüre ich einen leichten Schweißfilm auf meiner Stirn. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Ich hätte jetzt gerne das Gewünschte und dann raus! Da taucht jemand auf, der sich auszukennen scheint. Zumindest ist er ähnlich gekleidet wie ich, trägt das Outfit aber mit deutlich mehr Souveränität.

Ich: „Äh… hallo!? Moment mal, bitte!“

Vorsichtig, um nicht in eine Kollision mit einem halben Schwein verwickelt zu werden, setze ich Schritt vor Schritt in die Richtung des Mitarbeiters. Bemüht, nicht an eine ganz bestimmte Kurzgeschichte von Roald Dahl zu denken, in der interessierte Besucher einer Fleischerei schlussendlich selbst in der Wurst und später im Gasthaus auf dem Teller landen. Der Fleischer schaut mich interessiert an. Brust oder Keule? Was mag er denken? Mir ist nicht gut. Nein, gar nicht.

Irgendwie schaffe ich es und nuschle unter meinem Mundschutz, dass ich Schweineblasen abholen wolle. Der Schlächter nickt und verschwindet in Richtung der heranrollenden Schweinehälften. Ich schließe für einen Moment die Augen und wiederhole mantramäßig TrommelnTrommelnTrommelnTrommelnTrommelnTrommeln…Mit dem Fuß stoße ich gegen einen großen Behälter. Ich öffne die Augen: Schweinefüße.

Plötzlich steht ButcherBoy vor mir und drückt mir grinsend einen Plastiksack in die Hand: „Viel Spaß, junge Dame!“ Der Sack fühlt sich warm an. Mich würgt es.

Irgendwie schaffe ich den Heimweg. Zu Hause leere ich den Sack in die Badewanne und erstarre! Ja, es sind Schweineblasen. Aber sie sind gefüllt und außerdem noch so… komplett mit alldem, was die Natur einem Eber an gutgemeinter Ausstattung mit gibt. Landen nur männliche Schweine in der Fleischproduktion? Hatte uns nicht ein Biolehrer vor Jahren erzählt, dass sich Mensch und Schwein nur geringfügig unterscheiden? Jetzt glaube ich es. Ich muss mich setzen. TROMMELN!TROMMELN!TROMMELN!

Da hilft auch kein Mantra mehr, die Dinger müssen ab.

Ich hole die Küchenschere und versuche mein gesamtes Wissen über Freud, die Psychoanalyse, Kastrationsangst und Penisneid zu vergessen. Mutig angesetzt und ZWITSCH das erste Gemächt ist abgetrennt. Fieses Gefühl. Ich kann nicht lange darüber nachdenken, denn der Inhalt der Blase ergießt sich gerade über meinen Arm. Wuäh. Also wirklich, das hatte ich mir so nicht vorgestellt!. Mir ist heiß und übel. Es riecht komisch und vor mir in der Badewanne ( in meiner Badewanne! Wie soll ich mich denn da jemals wieder reinlegen?) liegen 20 Schweinepenisse mit prallen Anhängseln und gut gefüllten Blasen. Ich schlucke, schalte mein Gehirn auf Standby und mache mich an die Arbeit.

40 elende Minuten später habe ich alles entmannt, die Überbleibsel in zwei Mülltüten und – damit man nichts sieht – eine Discountereinkaufstüte verpackt in die Mülltonne geworfen, die Blasen gespült und – Ekelfaktor unendlich – aufgepustet. An einer quer durchs Badezimmer gespannten Leine habe ich die Schweineblasenballons zum Trocknen aufgehängt. Badezimmer und ich selber sind geschrubbt und in Wolken von Sagrotan gehüllt.

Ich gehe in die Küche und betrinke mich.

Vorfreude

Morgen ist Freitag und dann noch ein besonderer. Ich treffe mich nach der Schule mit meinem guten Freund Marten. Marten ist ein richtig toller Grundschullehrer und wir kennen uns aus den Anfangstagen meines Musikstudiums. Von ihm habe ich den Tipp Pausenaufsichten mit Ohrstöpseln zu erledigen. Unbezahlbar!

Rückblick:

Ein hässlicher Flur, ein schäbiger Stuhl und darauf die noch sehr junge Frau Weh mit Herzklopfen. Ich wusste nicht, was mich erwartete und war nervös. Da ging die Tür auf und ein gut aussehender, braun gelockter junger Mann trat auf den Flur. Er sah mich interessiert an, fragte, ob ich die neue Schülerin von Frau Grrrrrraf sei und auf mein erwartungsvolles Nicken schüttelte er bedauernd den Kopf und meinte „mein Beileid!“. Hmm.

45 Minuten später war mir alles klar.

Frau Grrrrraf – russischer Albdruck. Wöchentlich wiederkehrender Schmerz, Elend und Tränen.

„Guttten Tack“ und „Auff Wiederrrsehen!“ und „Übben Sie!“waren die einzigen Worte, die sie mit mir im ersten Semester wechselte. Die restliche Kommunikation erfolgte ausschließlich über das Heben und Senken ihrer dunklen unheilverkündenden Augenbrauen. An die Uni kam ich mit Gershwin und Prokofiev. Sie ließ mich Clementi und Bartoks Mikrokosmos spielen. (Für die Nichtmusiker unter uns: das ist wie wenn man Jets fliegt und dann einen Heliumballon am Schnürchen halten darf. Also nichts gegen Bartok. Aber…naja…)

Außerdem schlug sie mir mit dem Bleistift auf die Knöchel. Meine Handhaltung war offensichtlich eine so große Katastrophe, dass sie zu besonderen Methoden greifen musste.

Dienstagsabends bekam ich regelmäßig Bauchschmerzen, die sich bis Mittwochsmittags um 14.00 Uhr extrem steigerten. Ich hatte furchtbare Angst vor ihr. Dabei war sie ungefähr nur 1,50m groß. Aber ich schwöre, sie sah viel größer aus!

So etwas schweißt zusammen. Seit dieser Zeit sind Marten und ich befreundet in guten wie in schlechten Zeiten. Wir treffen uns regelmäßig und erzählen wie schlimm es uns gerade geht. Das ist ok. Andere zeigen stolz Operationsnarben oder Schwangerschaftsstreifen. Bei uns geht es mehr um seelische Katscher.

Manchmal tauschen wir auch gelungene Unterrichtsvorschläge aus. Und morgen ist es wieder soweit. Klasse Sache!

Diese Vorfreude stimmt mich heute milde, wenn Cengiz  im Musikunterricht neben dem Klavier sitzt und wieder hingebungsvoll die ganze Zeit Popel rollt und verspeist. (Seine Füße haben auch irgendwie komisch gerochen.) Der Gedanke an morgen trägt mich durch die Dienstbesprechung und eine weitere E-Mail von Supermom („Bitte um Bekanntgabe der Punkteverteilung im letzten Sachunterrichtstest. Mia-Sophie scheint mir eine bessere Benotung verdient zu haben!“).

Es ist wichtig Freunde zu haben. Gerade als Lehrer. Lehrer haben irgendwann sowieso nur noch Lehrer als Freunde. Oder gar keine mehr. Dann muss man ständig alleine ins Museum gehen oder Bildungsreisen mitmachen und alles besser wissen als die arme Dame mit dem Schirm.

Warum nicht also schon die besten im Studium heraussuchen ehe man sich dann den übriggebliebenen Rest aus dem Kollegium zusammenkratzen muss? Mit Marten jedenfalls habe ich da alles richtig gemacht. Und was ich ja noch gar nicht erwähnt habe: Er ist auch noch kultiviert! Und gebildet! Und kann kochen! Hammer!

Frau Grrrrraf wechselte übrigens ein Semester vor meinem Abschluss auf eine andere Uni und Ivan aus Ungarn wurde mein Lehrer. Von da an wurde mein Leben entspannter. Ich spielte wieder Gershwin und Ivan rauchte am Fenster. Die Prüfung war dann übrigens ein Klacks.