Blau machen

Der Farbe Blau wird ja gemeinhin eine beruhigende Wirkung zugeschrieben. Ich kann mich dem nur bedingt anschließen, waren doch vor einiger Zeit die Kinderzimmer im Hause Weh blau gestrichen. Half auch nichts. Dennoch kann ich mich dem Zauber dieser Farbe nicht komplett entziehen, besonders dann nicht, wenn sie auf Muster trifft. Muster finde ich gut! Somit war ich hin und weg, als ich vor Kurzem auf einer französischen Seite einem Stempelset historischer Fliesenmuster begegnete. Nun ist mein Schulfranzösisch bereits ziemlich angestaubt, allerdigs werde ich wohl – den ausgiebigen Exercises im Lehrbuch sei Dank – auch in hundert Jahren noch ein Croque Monsieur bestellen können. PaketUnd so groß kann der Unterschied im Bestellvorgang zwischen belegten Brötchen und Bastelzubehör doch wohl nicht sein, ne c’est pas? Gesagt, getan. So drückte mir eine knappe Woche später unser Nachbar mit leicht verkniffenen Gesichtszügen ein Paket in die Hand, in dem der Arme ganz offensichtlich mangels entsprechender Sprachkenntnisse französische Damenhygiene vermutete. Und dann tat ich, was ihr mir in euren so wohltuenden Kommentaren geraten habt:

Ich habe blau gemacht.

Stempelset historische Fliesen

Stempelkarten

Stempelkarte

Dabei fiel mir auf, dass es alles andere als leicht ist, das Muster exakt aneinander zu reihen. Da habe ich noch Übungsbedarf. Aber da der Vorgang derart meditativ und entspannend ist, ist das genau das Richtige für mich. Es ist wohl klar, welcher Art die nächsten Geburtstagskarten aus dem Hause Weh sein werden?

Schneeflocken Fliesen

Guckt mal die reizende Schneeflocke, die (theoretisch zumindest) entsteht, wenn man einigermaßen akkurat arbeiten würde. Ich bin hin und weg! Vielleicht hilft eine Linealkonstruktion?

Stempel FliesenDas Schöne ist, dass man zunächst noch gar nicht weiß, welches Muster sich aus der Reihung der Abdrucke ergibt. Eins schöner als das andere! Sogar die späten Siebziger wurden nicht vergessen. Das rechte erinnert mich ganz stark an meine erste Kinderzimmertapete. Allerdings war die in Orangebraun gehalten. Tja, meine Eltern waren richtig modern!

Stempel MusterHergestellt werden die Stempel übrigens von total neurotischen Parisern, was sie gleich noch einmal so toll macht.

Ob ihr diesen wunderbaren Tag nun blau macht oder nicht, sei euch überlassen. ich schwelge noch ein bisschen in meiner neuen Errungenschaft und wünsche euch einen guten Start, wenn es denn wieder losgeht.

Bleibt blau! 😉

 

 

 

 

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Bloggerischer Müßiggang

Ich werde noch zum Quartalsblogger. Doch was soll ich sagen? Das Leben tobt um mich herum und die Tatsache, dass es nun knapp 7 Wochen bis zu den Sommerferien sind, trägt auch nicht gerade zur Tiefenentspannung bei. (Was allerdings definitiv entspannend gewirkt hat, waren die vier Staffeln The Good Wife, die ich mir in den letzten – hüstelhüstel –  zwei drei Wochen reingezogen habe wie die Tour de France Epo. Leider nicht ganz folgenlos, auf das gelbe Trikot muss ich wohl verzichten. An dieser Stelle daher eine ganz offizielle Stellungnahme: Lieber Herr Weh, es tut mir leid, dass ich in den letzten 80 Folgen nicht ansprechbar war und immer sofort auf Pause gedrückt habe, wenn du das Wohnzimmer betreten hast. Ich werde mich bestimmt bessern und die fünfte Staffel noch ein wenig herauszögern. Auch wenn es weh tut. Arghs!)

Im Gegensatz zur Vernachlässigung im häuslichen Bereich (Küchenboden! Fenster! Eheleben! Kindererziehung!) bin ich immerhin mit den Erstklässlern gut im Zeitplan, sodass uns die anstehenden Brückenwochenenden hoffentlich nicht das Genick brechen. Nach wie vor kämpfen wir gegen Läuse und den Zehnerübergang. Wo gegen das eine der großzügige Einsatz von Jacutin wirkt, hilft beim anderen leider nur Üben, Üben, Üben. Vor einer Woche haben wir den ersten richtigen Ausflug gewagt und ich muss es wiederholen: 30 Kinder sind wirklich mehr als 20. Da zählt man sich dusselig bei. Überhaupt sehen spielende Erstklässler alle gleich aus, da muss man wirklich aufpassen, dass man am Schluss die richtigen einsammelt. Und komme mir jetzt niemand mit der Anfertigung spezieller Kappen, Warnwesten oder Armbändchen! Auf dem Laga-Gelände wuselten so dermaßen viele Neonfarben herum, dass es mir selbst mit Sonnenbrille bei längerer Betrachtung blümerant wurde. Es tut einfach weh bei Sonnenschein stundenlang auf reflektorbesetzte Warnwesten zu starren.

Ansonsten geht es mir tatsächlich ziemlich gut. (Was mich eigentlich so kurz vor den Zeugnissen stutzig machen sollte, aber damit beschäftige ich mich am nächsten Wochenende.) Ich könnte euch erzählen, dass es mich ganz kribbelig vor Glück macht, wenn ich das Miniweh glucksend und freiheitsjauchzend fahrradfahren sehe. Es trägt dabei so einen lustigen, knubbeligen Helm, der es aussehen lässt wie ein Osterei auf Beinchen und dreht unermüdlich Runde um Runde. Oder ich könnte darüber schreiben, dass ich in der vergangenen Woche in der Küche lauter Dinge zum ersten Mal zubereitet habe: Gemüsetörtchen, eine Riesenfrühlingsrolle, gefüllte Champignons und einen Schokokuchen mit roter Bete. (Nein, die Wehwehchen mochten nicht alles. Aber die wehsche Küche untersteht weniger didaktischen als diktatorischen Regeln, also friss oder stirb!)

Wir waren im Völkerkundemuseum. Hochspannend! Ich bin ja Fan von museumspädagogischen Ansätzen. Sobald es Schubladen zum Öffnen oder Dinge zum Auf- und Umklappen gibt, bin ich am Start. Manchmal erwische ich mich dabei, dass ich die Vermittlung weitaus spannender finde als die Inhalte. Didaktisch gesehen ist sowas ja pfui. Doppelpfui! Weitaus lehrreicher war da der Besuch im Tierpark. Oder wusstet ihr, wie ein Pfauenmännchen unter dem ganzen Putz und Pomp aussieht?

Pfau von vorneEin „Ich zeig euch jetzt mal, was ich habe“ – Pfauenmännchen von vorne

Pfau von hinten… und von hinten. Merke: Alles hat eine Kehrseite.

Kinderhaben hat ja zum Glück keine fast keine kaum Kehrseiten. Das große Wehwehchen befindet sich mitten im pubertären Umbau, was uns Eltern manchmal völlig fassungslos danebenstehen lässt. Was passiert da bloß mit den ganzen Synapsen? Streiken die? Sind die überhaupt gewerkschaftlich organisiert? Und wo, bitte, können da noch ein paar Lateinvokabeln andocken? Vielleicht wünsche ich mir das morgen zum Muttertag: Vokabelüben ohne Gemotze. Oh, was wäre das schön! Muttertag finde ich übrigens blöd. Habe ich jeden Tag und Blumen kaufe ich mir selber. Ätsch. Trotzdem wünsche ich euch einen schönen, so ihr ihn denn feiert! Wir werden ins Grüne fahren  – ganz ohne kulinarische Experimente, dafür zur Freude der Kinder mit anschließendem Besuch eines Fastfoodriesen. Ohne Wehwehchen wäre schließlich kein Muttertag. Nicht wahr?

Euch allen eine frühlingsblaue Woche mit Momenten zum Lächeln und Staunen!

-lichst Frau Weh

 

einer noch

Vogelzwitschern vor dem Fenster, entfernt ist das Plätschern der Dusche zu hören, ansonsten … Stille. Es ist der letzte Ferienmorgen, ich sitze am Schreibtisch und lasse Blick und Gedanken schweifen. Das waren wirklich, wirklich schöne Ferien. Was mir schwerfällt, das Ruhenlassen der Arbeit, das Abschalten und Abstandgewinnen, habe ich dieses Mal gut umsetzen können, was sich im gesamten Familiengefüge bemerkbar gemacht hat. Wir haben viel unternommen, aber auch ganze Tage im Schlafanzug verschlumpft und es war sooooo gut. Nebenbei hat das größere Wehwehchen ein Referat und eine Quartalsarbeit schreiben müssen, doch im direkten Vergleich immer noch mehr Zeit mit Minecraft und Eisessen verbracht. Was für ein Glück! Vokabeln hätten wir etwas intensiver üben können und ein Blick auf die letzten Lateinhausaufgaben hat mich schaudern lassen. 11 Wochen noch. Das wird schon.

Heute also noch ein letzter Tag im Schwimmbad ohne Blick auf die Uhr. Und dann, am Abend,  die Alltagsroutinen: Butterbrotdosen vorbereiten, Dinge parat legen, Mensageld für das große Wehwehchen nicht vergessen, neue Turnschuhe in Miniwehs Kindergartenrucksack packen. Meine Schulsachen liegen bereits gestapelt und abfahrbereit. Drei Tage habe ich intensiv an der Planung bis zu den Sommerferien gearbeitet und mir so einen Entspannungsvorschuss aufgebaut. Was in den nächsten, erfahrungsgemäß extrem anstrengenden Wochen folgt, ist Terminarbeit: Vorbereitung der Elterngespräche, letzte Diagnosen, Zeugnisse. Nebenbei Fahrradtraining, Ausflug, Sportfest, ein bisschen singen hier, ein bisschen feiern dort. 11 Wochen. Klingt nach viel Zeit, ist es aber nicht. Die vielen Feiertage zerpflücken den Arbeitsfluss und lassen anstrengend werden, was eigentlich normalen und längst bekannten Ablauf darstellt.

Für die Erstklässler bedeuten diese letzten Wochen eine Phase des Umbruchs und der Umstrukturierung. Die Freiarbeitsphasen werden kürzer, das Arbeitstempo wird angezogen. Neu sind Logicals, kleine Diktate und eine wöchentliche Rätselaufgabe. Die Schreibzeiten werden ausgedehnt und die erste kleine Lektüre gelesen. Viel Stoff, doch auch viel Spaß.

Aber heute … Familie. Noch einmal im wahrsten Sinne des Wortes eintauchen und treiben lassen. Schwimmbadpommes essen und nach Chlor riechen, genervt mit den Augen rollen, wenn die Wehwehchen streiten (und das tun sie …), Herrn Weh an der Badehose zupfen und in der Rutsche auf einen familienproduzierten Stau auffahren. Schimpfen, lachen, abtrocknen (auch zwischen den Zehen!), nasses Zeug einpacken, irgendwas vergessen, Waschmaschine anwerfen, Wehwehchen vor dem Fernseher parken, Essen machen, küssen und kichern, die Brut ins Bett bringen („Ich will morgen aber nicht in den Kindergarten!“), einen letzten ruhigen Moment auf dem Sofa sitzen und die Ferien Revue passieren lassen. Schön war’s.

Frau Weh taucht ab

Und hastenichgesehn sind die Ferien auch schon wieder um. Das geht ja schon schnell, oder? Insgesamt habe ich mich gut erholt, werde diesen Grad der Entspannung aber noch toppen. Denn morgen geht es ab ins Wellnesswochenende mit der lieben Frau Hattifnatte, die sich als Vorbereitung für dieses Wochenende in Pralinen und Sauce gebadet hat. Naja, solange sie es nicht mit Eselsmilch versucht…

Also ich freu mich voll! Ich habe mir vorgenommen nichts zu tragen außer einer bunten Cocktailgarnitur. (Vielleicht noch eine klitzeklitzekleine Kirsche im Bauchnabel, wenn mir danach ist.) Ansonsten werde ich mich in weiche Laken hüllen und mich fachmännisch durchkneten lassen. Ärgernisse, Kümmernisse und andere Nissen (Gott bewahre!) werden einfach ausgeschwitzt und weg damit.

Was werden wir am Montag entspannt und wohlduftend an unseren Arbeitsplatz zurückkehren! Nino hat Lorenzo einen Schneidezahn ausgeschlagen? Pffffffff… es sind doch noch sieben andere da! Frau Schmitz-Hahnenkamp rügt mein mangelndes erzieherisches Engagement? Schschsch… alles wird gut! Die Konferenz dauert drei Stunden? Hach, einfach zurücklehnen und das Cocktailschirmchen der Erinnerung zurück hinters Ohr schieben…

Kollegiale Wellnesswochenenden sollten wirklich fester Bestandteil des Fortbildungsprogrammes werden!

 

 

Outing

Ich muss es jetzt einfach mal loswerden:

Ich liebe Ganztagskonferenzen!

Niemand, der hektisch an meinem Pulli zupft oder den ich mit einer Frage aus dem Tiefschlaf reiße. Und diese anfänliche Stille! Ach… schön. Den ganzen Tag gemütlich rumsitzen, mal hier, mal dort einer Arbeitsgruppe zugeteilt werden, Kaffee trinken und sich von Experten (oder solchen, die sich dafür halten) zu stets aktuellen Themen (Schulprogramm! Qualitätsanalyse! Inklusion!) belehren lassen. Nebenbei Arbeits- und Fördepläne erstellen, Sachen ausschneiden, Aldiprospekte durchblättern. Zusehen, wie dramatische gruppendynamische Entwicklungen vom Kollegium Besitz ergreifen und hektische rote Flecken von Wangen auf Dekolletés plumpsen.

Ich liebe es.

Wenn es läuft, hat man sich am Ende des Tages gut erholt, den Unterricht für die Folgewoche geplant und eventuell sogar noch was dabei gelernt. Ehrlich, ich möchte mal eine ganze Woche lang nur konferieren!

Lieblingsbücher

Da mich nicht nur Frau Enn in einer E-Mail so nett darauf hinwies, dass ich lieber ein wenig vorsichtiger mit fremden Texten umgehen solle, tut es mir wahnsinnig leid, aber ich entferne die Vertretungsstunde vom wunderbaren Herrn Weh dann doch lieber. Schließlich haben wir diesen Blog alle ein bisschen gern und wollen ihn uns noch eine Weile erhalten.

Damit es aber nicht traurig, sondern im Gegenteil noch lustiger wird, ersetze ich den Ursprungsbeitrag durch die Antwort von Herrn Enn. Herr Enn nämlich erfährt die Lebenswirklichkeit der Grundschullehrerin durch seine Gattin doch etwas anders als Astrid Lindgren dies noch vor wenigen Jahrzehnten tat. Vielen Dank also an Frau und Herrn Enn, stellvertretend für so viele LeserInnen, die mir in Kommentaren und E-Mails mitteilen, wie sehr ihnen die Kuschelpaedagogik ans Herz gewachsen ist. Was wäre dieser Blog ohne euch? 🙂

„In der nächsten Stunde haben sie Sachunterricht. Die Flohbändigerin zeigt den Kids einen kleinen Vogel im Käfig, den sie auf abenteuerliche Weise am Tag zuvor im Wald eingefangen hat.
“Könnt ihr mir sagen, was dies für ein Vogel ist?” fragt sie.
“Ein Papagei”, schreit Yussuf.
Jason macht den Papagei, rennt kreuz und quer durch die Klasse und ahmt auf verblüffende Weise genau die Bewegungen dieses Urwaldvogels nach, wobei sein Gekreische dem eines Papageis täuschend ähnlich klingt.
“Aber Papagei ist falsch.” Da hebt Sophia die Hand hoch, obgleich sie ja als Antragskind schon als Fünfjährige zur Schule geht. “Ich weiß, das ist ein Fringilla coelebs”, sagt sie, woraufhin die Lehrerin flugs in ihrem Pult-Laptop bei ausgeschaltetem Beamer ins Internet huscht um nachzuschauen, was denn dieser lateinische Name auf Deutsch bedeutet. Upps, *schäm* sie hat ja Recht! Es ist ein Buchfink.
“Nomen est omen, Sophia”, ruft sie dem weisen Kind zu, dem sie eine Karriere als Ornithologieprofessorin bereits heute prophezeien kann und die sie weniger als zukünftigen Buchfink, denn als digital native betrachtet, der sein Wissen zu jeder Zeit und an jedem Ort der Welt aus dem Smartphone bezieht.
Und Chantal-Jasmin erzählt, dass sie und Sophia am Nachmittag immer online sind und dass es dort alle Vögel der Welt gibt. Und Phillipp-Pascal berichtet, dass bei ihm jedes Wochenende Freunde zur LAN-Party kommen.
Und Robin erinnert sich, dass einmal ein Schrotthändler an ihre Tür gekommen ist und alte Computer haben wollte. Aber Papa und Mama wollten das nicht, weil er noch keinen neuen haben sollte, dabei konnte sein alter nicht mal fatzebock. “Und dann haben wir auch HD-Fernsehen …”
“Aber nun haben wir es mit Buchfinken zu tun”, sagt die Lehrerin und ärgert sich, dass sie am Tag zuvor auf abenteuerliche Weise im Wald einen Buchfink eingefangen hat. Armes Tier! Was soll das Vögelchen nur von den Computerkids denken?
Denkt er analog zur inzwischen längst veralteten Waschmittelwerbung, in der zwei Enten nebeneinander stehen, sich ratlos anschauen und bei der die eine zur anderen sagt: “Ich versteh sie nicht, die Menschen” …?“

DAS passiert so und ähnlich Tag für Tag bei Frau Enn … der meinetwegen zweitbesten Grundschullehrerin von allen … obwohl Herr Enn da anderer Meinung ist.

Was wohl morgen wieder ins Haus steht … ein spannender Beruf ist das …

Sommerfrische

Ich melde mich mal für ein paar Tage ab.

Es warten noch einige Bücher (Ostfriesenkrimis, postapokalyptische Schundromane, Hoffmanns Nachtstücke, Herzschmerz), Museen und Keksrezepte auf mich. Außerdem ruft mir dieses unbändig freie, gute Feriengefühl in meinem Inneren sehr laut zu: Genieß mich! Ich bleibe nicht mehr so lange!  Dafür habt ihr sicherlich alle Verständnis.

In diesem Sinne bis nächste Woche,

herzliche Grüße,

Frau Weh