Mitten im Leben

Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen.

Er hält sich nicht an Pläne, er trifft keine Absprachen. Er geschieht.

Betroffen steht die kleine Schar Erstklässler im Kreis um die tote Spitzmaus herum. Klein liegt sie da auf dem Schulhof, geradezu winzig und still, sehr still. Eigentlich wollten wir für eine Förderstunde nur kurz das Gebäude wechseln. Doch an Normalität ist nun nicht mehr zu denken. Zu plötzlich stört der Tod die Kindern so eigene Emsigkeit.

„Vielleicht schläft sie ja nur?“, macht Lyanne sich selber Mut.

„Aber sie hat die Augen auf und da an der Schnauze ist auch Blut!“ Theo ist von der vollzogenen Endlichkeit des Mäuselebens überzeugt. Fachmännisch weist er auf die Indizien hin.

„Die arme, arme Maus!“, meint Dilara kummervoll und macht ein trauriges Gesicht. Die anderen Erstklässler nicken betroffen. So ein kleines Mäuschen und so tot. Warum bloß?

Diese Frage stelle ich mir auch. Ich friere. Mittwochs habe ich einen Schultag ganz ohne Pausenaufsichten. Anlassgemäß feiere ich diesen Tag immer mit dünner Kleidung. Mir zieht eine Gänsehaut die bestrumpfhosten Beine hinauf und eigentlich wollte ich doch im Warmen sitzen und die Sache mit der Silbensynthese noch einmal gezielt angehen. Jetzt aber blicke ich auf die tote Maus und die ergriffenen Erstklässler und als erfahrene Lehrkraft weiß ich natürlich, dass daraus heute nichts mehr werden wird. Ich seufze und ziehe den Mantel enger. Es ist absehbar, was nun passieren wird.

„Wir müssen sie begraben!“, sind sich die Erstklässler da auch schon einig und geraten nach meinem Zustimmung signalisierenden Nicken, auch wenn es nur halbherzig war, in freudvolle Geschäftigkeit. Sie teilen die Zuständigkeiten ein und tun, was getan werden muss. Einige suchen ein schönes Plätzchen (geschützt unter Büschen, aber etwas sonnig, die kleine Maus liebte bestimmt die Sonne, alle Mäuse lieben Sonne!), andere sammeln Herbstblätter in leuchtenden Farben (denn bunte Farben, da ist man sich einig, sind sehr wichtig bei einem Begräbnis und in Mexico oder woanders, da feiert man, wenn einer tot ist, mit gelben und orangenen Blumen, das hat Can am Wochenende in der Vorschau im Kino gesehen. Da war so ein Hund, der hat einen Knochen fast gefressen und dann war das aber der Knochen von einem toten Skelett und der Hund ist in einen Kaktus gefallen. Oder in ganz viele. Aber die Blumen waren orange!) und Theo und Ebru holen Sandeimer und Schaufel, denn ein Loch muss auch noch ausgehoben werden. Weder die novemberschwere Erde noch die Tatsache, dass jedes Kind einmal an die Schaufel möchte, lassen das Unterfangen zu schnell enden und so vergeht eine fröstelnde Weile und noch eine.

„Wie kriegen wir die Maus da jetzt rein? Tote Tiere darf man nicht anfassen, die können Tollwut haben.“

Ein bisschen hin und her geht es nun, denn Dilara weiß nicht, was Tollwut ist und Can verwechselt Tollwut mit der Zombieapokalypse aus dem voll gruseligen, aber coolen PC-Spiel, das sein großer Bruder ihm gezeigt hat und wo alle immer voll soooo langgehen und Geräusche machen. Doch Theo weiß um die Würde des Anlasses, schickt nach einem Kehrblech und sorgt für Ruhe. In schweigender Übereinkunft teilt ihm die Gruppe die Rolle des Bestatters zu und mit einem kleinen Plopp landet das Mäuschen in seinem Grab. Gebettet auf Herbstlaub und etwas Butterkeks, denn Mäuse – und wir alle wissen doch darum! – lieben Butterkekse. Liebevoll zugedeckt von einem Papiertaschentuch, das sogar fast noch ganz sauber ist. Die Erstklässler werden still, denn nun – so wird ihnen bewusst – müssen Worte gesprochen werden. Wichtige Worte, die den Abschied fassbar machen sollen und doch erträglich. Große Worte voller Traurigkeit über verpasste Chancen und ein Mäuseleben, dass doch viel zu kurz war.

„Auf Wiedersehen, kleine Maus. Wir haben uns gerade erst kennengelernt, aber du warst bestimmt ganz prima zu deinen vielen Mäusekindern! Und die sind jetzt sicher schon groß und passen auf sich selber auf. Du darfst jetzt hier ganz lange schlafen und du kommst bestimmt in den Mäusehimmel und der ist voller Käse!“

„Wir müssen auch etwas singen!“, weiß Theo. Alle nicken zustimmend. Sie entscheiden sich für das Martinslied, denn der Mantel, meint Leon, deckt ja den Bettler zu so wie die Herbstblätter die kleine Maus. Und ein anderes Lied wissen sie gerade auch nicht. Die hellen Kinderstimmen klingen durch die kalte Luft und ich weiß gar nicht, warum, aber plötzlich muss ich ein bisschen schlucken und ein bisschen hüsteln und vermutlich habe ich mir doch eine Erkältung oder so etwas in der Art eingefangen. Ist ja auch kein Wunder! Die Kinder nicken mir wissend zu und eine kleine Hand schiebt sich in meine. Weil der Gesang so schön ist auf dem leeren Schulhof und auch so viel Spaß macht, stimmen die Erstklässler gleich noch das Lied von der Weihnachtsbäckerei an. Mit in die Hände klatschen und laut „Du Schwein!“ rufen, denn das ist ja das Beste überhaupt an dem Lied. Dann wird gekichert und gelacht und „Tschüss, du Mäuschen!“ gerufen und noch ein bisschen mit Herbstlaub geworfen, wo wir schon hier draußen sind.

Mitten im Tod sind wir vom Leben umfangen.

Es hält sich nicht an Pläne, es trifft keine Absprachen. Es geschieht.

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Nicht nett, Frau Weh.

Nach den vielen Kommentaren der letzten Tage wollte ich heute ausschließlich nette Dinge über Eltern schreiben. Zum Beispiel, dass ich mich darüber gefreut habe, dass eine Mutter am Schulmorgen während einer Stillarbeitsphase hereinkam und sich ganz betreten für die Störung entschuldigt hat. Sie hätte gedacht, die Klasse sei leer. Oder darüber, dass sich die Mutter eines neuen Viertklässlers mit einer Mozartkugel dafür bedankt hat, dass ihrem Sohn der Musikunterricht jetzt so viel Spaß mache. Vielleicht auch über die positive E-Mail von Renés Mutter. Geplant war jedenfalls ein Beitrag voller Nettigkeiten.

Das nur vorneweg.

2.Stunde, Religion bei den Zweitklässlern. Arges Gewusel bis sich alle Schüler aus den verschiedenen Klassen bei uns einfinden. Religion wird klassenübergreifend unterrichtet, das ist nicht besonders schön, aber organisatorisch unumgänglich. Mitten ins Getümmel schiebt die Kollegin von nebenan ein Kind vor sich her. Gesichtsfarbe grün. Ich meine nicht etwa blässlich um die Nase, nein, das Kind ist pfefferminzgrün. „Sven ist es nicht gut, ich habe die Mutter angerufen. Das war wohl schon heute morgen so.“ Die Kollegin rollt die Augen. Ich nicke und lasse den Eimer bringen. Vorsichtig setzt Sven sich nieder, kleine Schweißtröpfchen stehen ihm auf der Stirn. Die Klassentüre lasse ich vorsorglich auf.

Wir nehmen im Sitzkreis Platz und beginnen: Stille, Kerze, Gebet, das Übliche. Eine kleine Landschaft wird auf dem Boden aufgebaut. See, Ufer, ein Ruderboot. Thema der heutigen Einheit ist die Begegnung mit dem Auferstandenen am See. Ich knüpfe an die letzte Stunde an: „Die Freunde vermissen Jesus. Sie wissen nun gar nicht so genau, was sie tun sollen. Sie sind traurig und fühlen sich allein.“ Die Kinder sind ruhig und abwartend. Einige haben die Augen geschlossen oder schauen auf das blaue Tuch, das den See Genezareth darstellen soll. Gute Atmosphäre, denke ich, als plötzlich KAWUMMS die bereits offene Klassentür in den Angeln erzittert.

„Mamaaaa!“ mit einer Mischung aus Hoffnung und Elend springt Sven vom Stuhl. Die liebevoll am See drapierten Playmobilbäumchen fallen um. Petrus geht über Bord und verheddert sich im Netz. MamaSven durchbohrt mich mit ihren Blicken an und faucht „Ich bin angerufen worden!“

„Ja“, entgegne ich möglichst ruhig, im Augenwinkel zwei Kinder, die sich darum balgen, wer nun Petrus wieder ins Boot setzen darf. „Sven geht es nicht gut.“

„Das war heute morgen auch schon so“, erwidert MamaSven als wäre das keine Entschuldigung, die sie für diese Störung akzeptiere und winkt ihrem Sohnemann unwirsch zu er solle mal voranmachen.

„Vielleicht bleibt Sven dann beim nächsten Mal lieber direkt zu Hause“, schlage ich semi-freundlich vor und nehme Yannis das Playmobilbäumchen aus der Hand, mit dem er gerade auf seinen Sitznachbarn einzustechen beginnt.

Giftige Blicke treffen mich. „Wir wollten es aber probieren!“ Ich schaue das grünlich-unglückliche Kerlchen an, denke, dass sicher nicht wir alle es versuchen wollten und frage mich, wen die umgehende Magen-Darm-Grippe jetzt wohl als nächstes ereilen wird. „Gute Besserung“ wünsche ich – nun wieder ganz professionell – und wende mich erneut dem derangierten Bodenbild zu. Kaum haben Sven und Mutter den Klassenraum verlassen (RUMMS), fliegt die Türe auch schon wieder auf, MamaSven noch einmal. „Wer ist denn hier in der Betreuung?“, sie wedelt wild mit einem Zettel herum. Mehrere Kinder melden sich. MamaSven verteilt den Zettel während sie lautstark Anweisungen an verschiedene Kinder ausgibt („Du, die Hausaufgaben! Du sagst beim Schwimmen Bescheid!“).

„Mama?“, tönt da ein dünnes Stimmchen vom Flur. „Gleich!“ MamaSven dreht sich noch einmal zu mir, hebt den Zeigefinger, setzt an, unterbricht sich, dreht ohne weitere Erklärung um und stampft wütig aus dem Raum.

„Schön“, denke ich, „dann kann es ja mal weitergehen“ und setze erneut zur Erzählung an. Diesmal lässt MamaSven die Türe offen, was praktisch ist, weil sie erneut zurückkehrt, um lautstark Ranzen und Turnbeutel einzufordern, die bereits seit Beginn der Stunde neben der Klassentüre bereitstehen. Bepackt poltert sie wieder aus der Klasse heraus. Die Zweitklässler, denen mittlerweile die biblische Szenerie nicht halb so spannend erscheint wie das Geschehen vor Ort, schauen MamaSven interessiert hinterher. Niemand zweifelt daran, dass da noch etwas kommt.

Und es kommt.

Unverkennbar ertönen Würgegeräusche vom Flur.

„Amelie“, sage ich zuckersüß, „würdest du bitte die Türe schließen?“

 

 

Willi und der Tod

Willi muss man mögen. Die meisten Kinder zwischen 5 und 10 tun das. Mir geht er ein bisschen mit seinem Kinderfernsehgehibbel auf den Keks. Aber ich bin ja auch nicht Zielgruppe. Wie praktisch, dass im Hause Weh ein Mitglied dieser Zielgruppe wohnt und sich bereitwillig mit mir die DVD ansieht, um mir nachher Rede und Antwort zu stehen.

Frau Weh: Wie war der Film für dich?

mittelgroßes Wehwehchen (im Folgenden mgWw): Ganz gut, aber auch komisch.

Frau Weh: Was war komisch?

mgWw: Das mit dem alten Mann, der am Ende seines Lebens angekommen ist. Und das, wo Willi bei dem toten Mann am Sarg stand. Die Musik war….so… (wedelt mit der Hand und verdreht die Augen).

Frau Weh: Fandest du das mit der Aufbahrung im Sarg gruselig?

mgWw: Nein! Aber irgendwie habe ich gedacht, der muss doch jetzt wieder aufstehen! Ich habe noch nie einen Toten gesehen. Hast du schonmal einen gesehen?

Frau Weh: Ja. Ich habe ja früher im Krankenhaus gearbeitet, da habe ich schon Menschen gesehen, die dort gestorben sind. Was hat dir gefallen?

mgWw: Wo Willi das Grab ausgehoben hat und wo Willi mit dem Bestatter den Sarg schön gemacht hat. Das war irgendwie…schön so.

Frau Weh: Mich hat die Stelle auch berührt. Ich fand es sehr liebevoll als der Sarg mit dem Tuch und allem ausgestattet wurde. Wie war das mit dem Leichenschmaus für dich?

mgWw: Die Feier nach der Beerdigung? Das war meine erste Beerdigung, die ich gesehen habe und die Feier fand ich schön. Besonders, weil es extra Schnitzel gab, weil die Oma, die gestorben ist, das essen wollte im Krankenhaus. Und die Enkelin war dann wieder fröhlich.

Frau Weh: Was meintest du eben mit dem alten Mann?

mgWw: Ich glaube, da könnte deine Klasse lachen, wenn das kommt. Der Mann sah irgendwie so lustig aus. Aber als er geweint hat, war das nicht so toll. Vielleicht solltest du die Szene besser weglassen. Man konnte ihn auch nicht so gut verstehen.

Frau Weh: Hat dich die Stelle traurig gemacht?

mgWw: Nein! Ja. Vielleicht ein bisschen. Aber irgendwie auch nicht, weil der Mann schon so alt war und auch glücklich.

Frau Weh: Hast du verstanden, worüber der Mann am See (Anmerkung: Wille hat mit einem Pastoralreferenten darüber gesprochen, was nach dem Tod kommt) sprach?

mgWw: Nein.

Frau Weh: Gibt es noch etwas, was du interessant fandst?

mgWw: Man hat dem Willi bei dem Toten richtig angesehen, dass der gar nicht so wusste, wie er sich verhalten sollte. Das hätte ich auch nicht gewusst.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich angenehm von dem Film überrascht war. Er hat zurückhaltend präsentiert, mit der nötigen Distanz, aber auch mit Authentizität. Die Musik hätte etwas dezenter sein können. So wurde die Stimmung dann doch an Stellen unterschwellig traurig, wo es eigentlich auch rein informativ hätte laufen können. Der Aufbau der Folge war sehr behutsam und mit rotem Faden versehen. Willi trifft auf dem Friedhof einen Bestatter, den er bei seinen verschiedenen Tätigkeiten (Grabaushub, Sarg vorbereiten, Sarg verschließen) begleitet. Er unterhält sich mit einem Pastoralreferenten, der ein nettes Sinnbild zeichnet (Stufen, die ins Wasser führen). Hier hörte das mittelgroße Wehwehchen nicht sehr aufmerksam zu, die Bilder des Films sind eindrucksvoll, da bleibt nicht viel Raum für religiöse Ausführungen, die nicht unbedingt kindgerecht erfolgen. Aber das kann man ja dann durchaus im Religionsunterricht aufbereiten. Die Stelle, an der Willi an das Sterbebett eines alten Mannes tritt, ist bewegend, aber in der Tat schwierig. Die deutliche Sichtbarkeit des Alters, des nahenden Todes irritiert Kinder. Unwissend, wie damit umzugehen sei, kann Lachen durchaus eine erste Reaktion sein. Dennoch kommt heraus, dass Sterben nicht unbedingt etwas ist, was Angst machen muss. Im Folgenden wird der Zuschauer zum Gast eines Requiems, einer Beerdigung und des im Anschluss stattfindenden Leichenschmauses. Dies ist alles sehr sensibel und positiv dargestellt. Deutlich wird hier der Stimmungsumschwung, das durchaus fröhliche Zusammensein, bei dem an Oma Trudi, die so gerne Schnitzel aß, gedacht wird.

Der Fim ist ab sechs Jahren freigegeben und läuft ungefähr 24 Minuten. Also bleibt noch Zeit für ein Unterrichtsgespräch. Insgesamt empfinde ich ihn als stimmig, und kann mir gut vorstellen, den Film während der Unterrichtsreihe zum Thema „trauern und trösten“ in einem vierten Schuljahr einzusetzen. Ob ganz oder in Auszügen, kann ich noch nicht sagen. Auf jeden Fall werde ich eine Verabredung mit unserem Schulpfarrer auf dem örtlichen Friedhof ausmachen. Wir haben das Glück, dass der zuständige Pfarrer sehr engagiert und interessiert an Kooperationen ist. Und was ist ein Film schon gegen die Realität? (Eine Aufbahrung werde ich trotzdem mit den Kindern nicht besuchen, keine Sorge.)

Bibelarbeit

Gestern haben wir mit den Wehwehchen plus Ferienkind eine Tagestour nach Köln gemacht. Dort liegt zur Zeit ein Nachbau der Arche Noah vor Anker. (Kann man gesehen haben, muss man aber nicht unbedingt.) Die Kinder waren angetan von der Größe – obwohl Informationen zufolge nur halb so groß wie das „Original“ – und von den Massen an Stoff- und lebendigen Tieren an Bord. Das Miniweh weiß jetzt, dass Ziegen stinken und Esel ebenfalls Geruch verströmen. Mit Wonne haben sie Goliath Steine an die Rübe geknallt und ihn so zu Fall gebracht, Fische beobachtet („Bitte Vorsicht, die Fische haben leider nicht das ewige Leben!“) und sich gewundert, dass tatsächlich auch Drachen und Dinosaurier mit an Bord waren. Ich fand es… nun ja… also…interessant halt. Aber schön, dass wir einen Ausflug gemacht haben und Köln lohnt sich ja immer.

Im Bauch des Schiffes befindet sich – mit Warnungen versehen, Kinder unter 6 Jahren nur in Begleitung Erwachsener! – die Geschichte Salomos, des großen Weisen und dritten Königs nach Saul und David. Nach einer recht gottgefälligen Karriere nahm sein Leben irgendwann einen Wendepunkt. Auf der Arche symbolisieren dies recht üppige Betten, in scharlachrot bezogen. Staunend lesen die Wehwehchen plus Ferienkind, dass der Harem König Salomos 1000 Frauen beinhaltete beheimatete. Noch völlig unberührt von der eigentlichen Bedeutung stößt das mittelgroße Wehwehchen dem Ferienkind den Arm in die Seite und meint: „Boah, 1000 Frauen! Und denen muss der allen abends gute Nacht sagen, das ist ja voll die Arbeit!“

Herr Wehs Grinsen ist mindestens so breit wie der Hintern des gigantischen Mammuts, welches gelassen die Szene beobachtet.

Material für den Religionsunterricht

Nicht nur für die mitlesenden LAAs zeige ich heute ein paar Dinge, auf die ich im RU gerne zurückgreife und die für 1. – 4. Schuljahr gut einsetzbar sind. Im 1.Schuljahr benutze ich eine „Religionskiste“, ein umklebter Spielekarton, in dem sich eine Basisauswahl verschiedener Dinge befindet (Tuch (Farbe liturgisch oder thematisch angepasst), Kerze, Kreuz, Lied (ebenfalls thematisch), Streichhölzer), sowie immer ein Gegenstand oder ein Bild, der auf den Stundeninhalt verweist. Die Kiste ist in der Schule, ich reiche mal ein Foto nach.

Ich hatte ja bereits an anderer Stelle geschildert, dass ich Playmobilfan bin. Die Sachen haben einen hohen Aufforderungscharakter, sind detailgetreu, laden zum Spiel ein und sind recht robust. Der Nachteil ist – sofern man Familie hat – entweder hält man sie gut unter Verschluss, oder man sucht sie sich regelmäßig wieder in den Kinderzimmern zusammen.

Immer gut, viele Kinder.

Die großen Playmobilmännchen verkleide ich mit Stoff, bei den Kinder finde ich das nicht unbedingt notwendig.

Die bereits angepriesenen Löwen von Schleich, bzw. aus einem Happy Meal. (Der kann auch das Maul aufreißen, finden die Kinder beeindruckend)

Für viele Geschichten unverzichtbar ist ein Esel. Dieser ist von Holztiger. Die Firma stellt Holzfiguren her, die detailreicher und preiswerter als beispielsweise Ostheimer sind.

Zum Thema Epiphanias kommen Weihrauchmischungen (wichtig: auch Myrrhe besorgen!), ein großes Stück echtes Gold und – wenn man das Thema weiterführen will – auch die kleinen Sternsinger gut an. Hier gehört eigentlich noch eine große Spielzeugkrone zu, die muss ich also noch bei den Wehwehchen suchen gehen. Zum Riechen bringe ich einen Weihrauchkegel mit. Da hat dann auch die ganze Schule etwas von 🙂

Gutes Bildmaterial. Da muss man halt suchen. Einiges habe ich aus Kunstbänden kopiert, anderes ist aus Kalendern zusammengestellt.

Um den Kindern nahezubringen, welche große Rolle das Christentum auch kulturgeschichtlich hat, bietet sich (neben gutem Musikunterricht…) u.a. der Kontakt zur Schulpfarrei an. Jede Kirche verfügt über beeindruckende Messgewänder und -gefäße, über Kunstgegenstände und in der Regel über einen Pfarrer, der sich über Besuch freut und sein Wissen weitergibt. Für die Kinder ist ein Kirchenbesuch immer ein Erlebnis und von einer Kooperation zwischen Schule und Pfarrgemeinde profitieren alle.

Unverzichtbares Basic, wenn man mit Bodenbildern arbeiten will, sind Tücher in verschiedenen Farben. Da es diese in verschiedenen Qualitäts- und vor allem Preisstufen gibt, empfehle ich Preisvergleiche oder auch einen Besuch beim großen virtuellen Auktionshaus. Mir fällt gerade auf, dass alle reinen Farben offensichtlich noch in der Schule sind:

Naturmaterialien, Steine, Kordel, Kreppband (für Wege oder Grenzen) sind einfach zu bekommen und gut einsetzbar. Generell ist dabei wichtig, dass man die Szene nicht mit Material erschlägt,

sondern lediglich andeutet und/oder die Kinder gestalten lässt.

Gerade am Anfang des Lehrerdaseins verfügt man natürlich noch nicht über eine große Sammlung oder das Geld, um viel anzuschaffen, da bieten sich Tafel- oder Bodenbilder aus Pappe an. Hier ein ganz einfaches:

Die Figuren sind nur angedeutet, daher flexibel für verschiedene Geschichten einsetzbar. Sinnvoll ist es, wenn man die Szenen und Personen mit Magnetband versieht, dann lässt sich die Geschichte an der Tafel nachspielen.

Wofür ich schon immer Geld ausgegeben habe, sind gute Bilderbücher. Kinder lieben es, wenn man ihnen vorliest. Macht man es gut, versinken sie in Geschichte und Bildern. Allerdings gibt es gerade im Bereich der religiösen Kinderbücher viel verniedlichten Kitsch. Der persönliche Geschmack spielt natürlich auch eine große Rolle. Ich mag beispielsweise Annegert Fuchshuber (hier im Bild das Buch über die Arche Noah) als Illustratorin sehr, weil ihre naive, aber auch drastische Art Kindern einen direkten Zugang ermöglicht, andere finden diesen Stil furchtbar. Da empfehle ich also ein paar Besuche in gut sortierten Buchhandlungen. Mit Internetkäufen auf gut Glück habe ich keine so guten Erfahrungen gemacht.

Sind die Bilder groß genug, kann man die Kinder in den Halbkreis setzen und Bilderbuchkino machen. Möglich wäre aber auch eine Vergrößerung (in Ruhe auswählen, welche Bilder man unbedingt vergrößern möchte!) für das Kamishibai oder Tafelkino. Auch eine Staffelei, wenn man eine besitzt, kann eine gute Präsentationsfläche sein.

Wichtig bei jeder Art des Materials ist eine gute Aufbewahrung und – mit zunehmender Menge – auch der Überblick, was man bereits angeschafft oder erstellt hat. Ich habe zwei große Kisten für die plastischen Dinge

und eine Sammelmappe in Din A1 für das Bildmaterial. Praktisch sind auch die großen Versandverpackungen, in denen beispielsweise Kalender o.ä. geliefert werden. Darauf einen Zettel anbringen mit dem Inhalt und man behält den Überblick.

Ich habe in den letzten Jahren festgestellt, dass eine gute Mischung verschiedener Methoden nicht nur für die Kinder bedeutend ist. Auch mir macht der Unterricht wesentlich mehr Spaß, wenn er nicht immer nach Schema F (im Religionsunterricht oft genug vorlesen/malen lassen) abläuft. Außerdem darf man nicht aus den Augen verlieren, dass sich an den Unterrichtsinhalten im RU im Vergleich zu anderen Fächern vermutlich am wenigsten ändert. Da hilft es enorm, wenn man sich selber durch Material- und Methodenvielfalt ein bisschen frisch hält.

Morgengabe für Relilehrer

Religion im 4.Schuljahr. Markus kommt strahlend auf mich zu und sagt, er habe mir ein Geschenk mitgebracht, extra, weil ich doch seine Religionslehrerin sei. Und extra den ganz Echten mit Mütze! Und Stiel! Fröhlich zieht er den Schokonikolaus aus der Tasche und stellt leichte Beschädigungen fest. „Die Busfahrt, Frau Weh. Aber ich glaube“, prüfend rüttelt er am lädierten Bischof, „die Schokolade ist noch drin.“

Der Tod raucht mit

Religion, 4.Schuljahr. Es geht um den Tod. Ein wahnsinnig spannendes Thema für die Viertklässler. Viele waren schon einmal auf einer Beerdigung, fast jeder trauerte schon um ein liebgewonnenes Haustier. Und dann erst die Sache mit den Würmern…!

Wir streifen die Vorstellungen anderer Weltreligionen, philosophieren über ein Leben nach dem Tod, um dann doch wieder auf den wirklich spannenden Bereich zurückzukommen: wie geht das mit dem UnterdieErdebringen denn nun eigentlich? Gibt es andere Möglichkeiten als den Friedhof um die Ecke?

Maren erzählt: „Meine Oma, die haben wir in so einem Wald vergraben.“

Roman kann toppen: „Bei meinem Opa sind wir mit dem Schiff gefahren und haben ihn ins Meer geworfen.“

Irritierte Zwischenfrage von Laura: „Deinen ganzen Opa? In einem Sarg? Oder wie?“

„Nee“, antwortet Roman, „zuerst ist der verbrannt worden und dann haben wir den Rest in so einen…“, er überlegt, „Aschenbecher getan.“